Standort: science.ORF.at / Meldung: "Vorschule macht sich bezahlt"

Schülerin macht eine Aufgabe

Vorschule macht sich bezahlt

Sozial schwache Kinder profitieren einer US-Studie zufolge bis ins Erwachsenenalter vom Besuch einer Vorschule. Die Absolventen erreichen einen höheren Bildungsabschluss, bekommen ein höheres Einkommen und geraten seltener mit dem Gesetz in Konflikt als jene Kinder, die lediglich einen Kindergarten besucht haben.

Bildung 10.06.2011

Die Langzeituntersuchung zeigt, dass Buben sowie Kinder von Schulabbrechern von einem frühen Bildungsprogramm am stärksten profitieren.

Spezialprogramm für Benachteiligte

Arthur Reynolds und seine Mitarbeiter von der University of Minnesota hatten die Lebensläufe von 989 Kindern verfolgt, die zwischen 1979 und 1980 geboren wurden und in Chicago einen staatlichen Kindergarten sowie eine staatliche Vorschule besucht hatten.

Die Wissenschaftler verglichen die mehrheitlich afroamerikanische Versuchsgruppe mit 550 Kindern, die zwar einen ähnlichen sozialen Hintergrund hatten, aber nicht an einem Vorschulprogramm teilgenommen hatten.

Die Förderung ist nicht vergleichbar mit der hiesigen Vorschule. Das spezielle Programm für die sozial schwachen Kinder begann im Alter von drei Jahren und wurde über einen Zeitraum von bis zu sechs Jahren angeboten.

Die Ziele des Programms bestehen darin, Kinder wie Eltern möglichst früh zu erreichen, sprachliche Fähigkeit und das Selbstbewusstsein zu trainieren sowie die Kinder auf die Anforderungen der heutigen Gesellschaft vorzubereiten. Dabei wird in kleinen Gruppen an grundlegenden Fertigkeiten und in engem Kontakt mit den Familien gearbeitet.

Langfristige Erfolge

Ö1 Sendungshinweis:

Über eine Alternative zum derzeitigen Schulnotensystem hat Wissen Aktuell am 9.6. um 13:55 berichtet.

Nach 25 Jahren, als die ehemaligen Kleinkinder ein Alter von 28 Jahren erreicht hatten, zeigten sich die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen: Außer einem höheren Bildungsabschluss und einem höheren Einkommen bekamen die ehemaligen Vorschüler bessere Jobs und waren besser krankenversichert. Außerdem gab es unter ihnen weniger Drogen- oder Alkoholabhängige. Auch ins Gefängnis mussten die Angehörigen der Vorschul-Gruppe seltener.

Der Besuch des Vorschulprogramms fördere die kognitiven Fähigkeiten der Kinder - so erklären die Wissenschaftler den Erfolg des Förderprogramms. Darüber hinaus wirke sich die frühe Einbeziehung der Eltern in die Bildung der Kinder sowie die frühe soziale Anpassung der Kinder positiv auf ihre Entwicklung aus.

Laut Reynolds sollten Programme wie dieses möglichst früh beginnen, denn auch die Leistungsunterschiede zwischen Kindern mit hohem und niedrigem Sozialstatus werden schon im Kindergartenalter deutlich. Je früher man mit Gegenmaßnahmen beginnt, desto höher sind demnach die Chancen, die Differenzen auszugleichen.

Auch für den Staat zahle sich eine Förderung der Früherziehung aus - angesichts der hohen Kosten, die beispielsweise durch einen Schulabbruch und die damit verbundenen Folgenprobleme entstünden.

science:ORF.at/dpa/APA

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