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Radrennfahrer in einem Rennen

Beim Aufwärmen ist weniger oft mehr

Kein Sportler geht in einen Bewerb, ohne sich davor ordentlich aufzuwärmen. Es verringert nicht nur die Verletzungsgefahr, es soll auch die Leistung steigern. Einer Studie zufolge sollte das Pensum aber deutlich geringer sein als derzeit üblich, ansonsten drohe vorzeitige Erschöpfung.

Sport 17.06.2011

Vorbereitung zur maximalen Leistung

Beim Aufwärmen läuft der menschliche Körper tatsächlich warm: Die Temperatur der Muskeln steigt, die Sauerstoffaufnahme und der Stoffwechsel beschleunigen sich. Gängigen Theorien zufolge führt eine längere Aufwärmphase auch zu einer biochemischen Veränderung in den Muskelzellen, wodurch sich ihre Kontraktionsfähigkeit verbessert, durch Erschöpfung sinkt diese allerdings wieder.

Zur Studie im "Journal of Applied Physiology":

"Less is More: Standard Warm-up Causes Fatigue and Less Warm-up Permits Greater Cycling Power Output" von Elias K. Tomaras und Brian R. MacIntosh

In ihrer Studie an zehn trainierten Fahrradfahrern verglichen die kanadischen Forscher Elias K. Tomaras und Brian R. MacIntosh eine derzeit übliche längere Vorbereitungsphase mit einer gekürzten. Verglichen wurden danach die Kontraktionsfähigkeit der Muskeln und die maximale Leistung. Im ersten Setting radelten die Sportler zuerst 20 Minuten lang, wobei sie ihre Herzfrequenz langsam steigerten und am Ende 95 Prozent des Maximus erreicht hatten. Danach absolvierten sie noch vier Sprints im Abstand von acht Minuten. Das Ganze dauert also ungefähr 50 Minuten.

Im zweiten Setting radelten die Sportler schon zu Beginn kürzer und steigerten sich nur bis zu 70 Prozent ihrer maximalen Herzfrequenz. Danach folgte nur ein kurzer Sprint, insgesamt dauerte diese Aufwärmphase nur etwa 15 Minuten.

Kontraproduktives Aufwärmen

Die Tests der Wissenschaftler zeigten, dass das kürzere Vorbereitungstraining zu einer langsameren Erschöpfung in den Muskeln führte und auch die maximale Leistungsfähigkeit war dabei um über sechs Prozent höher als beim intensiven Aufwärmen. Eine Erschöpfung der Muskeln wurde laut den Forschern aber in beiden Settings gemessen, was nahelege, dass die Aufwärmphase vielleicht noch kürzer sein sollte.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich Leistungssportler auf jeden Fall kürzer aufwärmen sollten als das derzeit empfohlen wird. Das gelte vermutlich besonders für alle Sprintbewerbe, sowohl beim Radfahren, beim Laufen als auch beim Schwimmen, bei welchen zudem oft noch mehrere Bewerbe an einem Tag absolviert werden müssten. Das begünstige die Erschöpfung zusätzlich.

science.ORF.at

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