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Menschenmenge bei einem Volkslauf

Wirtschaftskrise ließ Geburtenraten sinken

Die globale Wirtschaftskrise in den Jahren 2008/09 hat in den entwickelten Ländern zu einem Rückgang der Geburtenraten geführt. Das zeigt eine Studie österreichischer Demographen.

Studie 28.06.2011

Einbruch in Spanien und USA

Die Studie

"Economic Recession and Fertility in the Developed World" ist im Fachblatt Population and Development Review erschienen (doi: 10.1111/j.1728-4457.2011.00411.x).

Vor allem in Spanien und den USA habe die erste schwerere Rezession seit den 1970er Jahren, als die Ölkrise die Weltwirtschaft schrumpfen ließ, eine plötzliche Trendumkehr bei den zuvor steigenden Geburtenraten mit sich gebracht. In einer größeren Gruppe von Ländern wie England, Irland, Italien, Tschechien, Slowenien oder der Ukraine führte die Krise nach einem Jahrzehnt steigender Kinderzahlen zu einer Stagnation der Geburtenraten.

Als Schlüsselfaktor für diesen Trend nennen die Demographen den Anstieg der Arbeitslosigkeit bzw. der Job-Unsicherheit. Kein eindeutiger Trend war in Ländern wie Deutschland, Schweden, Bulgarien oder Schweiz feststellbar.

Bildungsabhängige Reaktion

Wie die Menschen auf die Wirtschaftskrise reagierten, hängt der Studie zufolge stark von Geschlecht, Alter, Zahl der Kinder und Bildung ab.

"So bekommen etwa junge und kinderlose Personen während der Krise eher keine Kinder", so Tomas Sobotka vom Institut für Demographie der Akademie der Wissenschaften. Frauen mit hohem Bildungsniveau, speziell wenn sie noch kinderlos sind, würden auf die mit der Krise einhergehende Job-Unsicherheit mit einem Aufschub ihres Kinderwunschs reagieren. Dagegen führe wirtschaftliche Unsicherheit bei weniger gebildeten Frauen oft zu einem Anstieg der Fertilitätsrate.

Die Wirtschaftskrise stoppte den ersten Anstieg der Geburtenraten in den entwickelten Ländern seit den 1960er Jahren. In 26 der 27 EU-Ländern stieg 2008 noch die Geburtenrate (nur jene Luxemburgs stagnierte). Ein Jahr später waren bereits 13 EU-Staaten mit sinkenden und vier weitere EU-Länder mit stagnierenden Fertilitätsraten konfrontiert. Die angesichts der Budgetnöte in vielen Ländern erfolgten Einschnitte bei den Sozialausgaben könnten die Auswirkungen der Krise auf die Kinderzahl noch deutlich verlängern.

science.ORF.at/APA

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