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Künstlerische Darstellung von Quasar

Kosmisches Leuchtfeuer vom Anbeginn des Alls

Ein europäisches Astronomenteam hat das bisher fernste kosmische Leuchtfeuer entdeckt. Der sogenannte Quasar strahlt in der unvorstellbaren Distanz von 12,9 Milliarden Lichtjahren, ein Lichtjahr entspricht knapp zehn Billionen Kilometern.

Kosmos 30.06.2011

Wegen seiner enormen Entfernung leuchtet das Objekt, das die wissenschaftliche Bezeichnung ULAS J1120+0541 trägt, aus dem jungen Universum zu uns. Zum Vergleich: Der Kosmos ist etwa 13,7 Milliarden Jahre alt.

"Dieser Quasar verschafft uns wertvolle Einblicke in das frühe Universum", erläuterte Forschungsleiter Stephen Warren vom Imperial College London. Quasare sind aktive Galaxien, die von einem supermassereichen Schwarzen Loch im Zentrum angetrieben werden. Der Name Quasar rührt daher, dass diese Objekte auch in den größten Teleskopen wie Sterne aussehen, also "quasi-stellar".

Seltenes Himmelsobjekt

Zur Studie in "Nature":

"A luminous quasar at a redshift of z57.085" von Daniel J. Mortlock et al.

Künstlerische Darstellung von Quasar in Nahaufnahme

Gemini Observatory, Nature

So könnte der Quasar aus der Nähe aussehen.

Ö1-Sendungshinweis

Über diese Studie berichtet auch die Sendung "Wissen aktuell", Donnerstag, 30. Juni 2011, 13:55 Uhr.

Das Schwarze Loch im Zentrum von ULAS J1120+0541 besitzt die Masse von zwei Milliarden Sonnen. "Es handelt sich um ein sehr seltenes Objekt, das uns helfen wird, zu verstehen, wie supermassereiche Schwarze Löcher einige hundert Millionen Jahre nach dem Urknall an Masse zugenommen haben", sagte Warren. Nach den gängigen Theorien sollten Schwarze Löcher nur langsam gewachsen sein und hätten daher so kurz nach dem Urknall nicht derart viel Masse ansammeln können. Wir sehen den Quasar zu einer Zeit, als das Weltall erst etwa 770 Millionen Jahre alt war. Die ersten Sterne sind rund 500 Millionen Jahre nach dem Urknall entstanden.

Zwar seien noch weiter entfernte Objekte und Ereignisse beobachtet worden, der jetzt entdeckte Quasar sei jedoch mehrere hundertmal heller und daher mit Abstand das fernste Objekt, das detaillierte Untersuchungen erlaube, betonte die Europäische Südsternwarte ESO in Garching bei München. Die Forscher vermuten, dass es am gesamten Himmel nur etwa 100 ähnlich weit entfernte Quasare gibt. Die Fahndung nach ULAS J1120+0541 hat fünf Jahre in Anspruch genommen.

science.ORF.at/APA/dpa

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