Standort: science.ORF.at / Meldung: "Informant verliert seinen Job "

Eine Forscherin und ein Forscher im Labor

Informant verliert seinen Job

Die Zeitschrift "Nature" berichtet in ihrer Onlineausgabe von einem besonders komplizierten Fall möglichen wissenschaftlichen Fehlverhaltens. Ein Forscher wies an der University of Wisconin auf Unregelmäßigkeiten hin - und verlor daraufhin seine Arbeit.

Streitfall 30.06.2011

Hickhack ohne Ende

In den Fall sind zumindest drei Akteure verwickelt: Aaron Taylor, Post-Doc im Fach Entwicklungsgenetik, seine Betreuerin und Laborleiterin Yevgenya Grinblat sowie der Institutsvorsitzende Jeffrey Hardin.

Talyor und Grinblat hatten laut dem "Nature"-Bericht einen Disput, ob Bilder einer gemeinsamen Publikation, die Genexpression in Zebrafisch-Embryonen zeigen sollten, adäquat seien oder nicht. Taylor argumentierte, sie seien nicht ausreichend durch Daten gedeckt, Grinblat stellte das in Abrede. Darüber hinaus waren sich der Post-Doc und seine Chefin auch uneinig darüber, ob Taylor seine experimentellen Befunde veröffentlichen sollte oder nicht. Grinblat drängte darauf, Taylor wollte davor noch weitere Versuche durchführen.

Nachlese

"Whistle-blower claims his accusations cost him his job", Nature online (doi: 10.1038/474140a).

Vermutlich übertrugen sich die anfangs fachlichen Unstimmigkeiten auch ins menschliche Terrain, Taylor äußerte jedenfalls nach einiger Zeit den Verdacht, die Daten seiner Chefin könnten nicht reproduzierbar sein. Daraufhin trat Institutschef Jeffrey Hardin auf den Plan und stellte Taylor vor die Wahl: Entweder er lasse die Vorwürfe fallen - oder er müsse das Institut verlassen.

Taylor entschied sich für letzteres. Nachdem die University of Wisconin of Wisconsin bis heute keine Untersuchung des Falles vorgenommen hat, ist nicht klar, ob Taylors Vorwürfe berechtigt waren oder sie von ihm nur als Waffe in einem persönlichen Streit eingesetzt wurden. Ebenso ist nicht klar, ob Taylor gegen den universitären Verhaltenscodex verstoßen hat - oder ob die Universität selbst einen Regelbruch begangen hat: Informanten zu Fällen wissenschaftlichen Fehlverhaltens müssen laut der "US federal policy on research misconduct" nämlich geschützt werden.

science.ORF.at

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