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Eine Schauspielerin zündet das Olympische Feuer im antiken Olympia an

Wurde Olympia Opfer eines Tsunamis?

Dass Tsunamis nicht nur die Küsten Japans bedrohen, sondern auch im Mittelmeer möglich sind, beweisen Jahrtausende alte Sedimentfunde. Die Flutwellen könnten auch ein besonders prominentes Opfer gefordert haben: Olympia, das Heiligtum des Zeus und Austragungsort der Olympischen Spiele in der griechischen Antike.

Geschichte 01.07.2011

Diese These zur Zerstörung der Kultstätte auf der griechischen Halbinsel Peloponnes hat Andreas Vött vom Geographischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) vorgestellt.

Acht Meter dicke Sedimentschicht

Vött untersucht die Stätte im Rahmen der Erforschung von Paläotsunamis, die während der letzten 11.000 Jahre an den Küsten des östlichen Mittelmeers stattgefunden haben. Die Olympia-Tsunami-Hypothese drängt sich nach seiner Darstellung vor allem aufgrund der im Umfeld von Olympia vorgefundenen Sedimente auf. Olympia wurde unter einer bis zu acht Meter mächtigen Schicht aus Sand und anderen Ablagerungen verschüttet und erst vor rund 250 Jahren wiederentdeckt.

"Die Zusammensetzung und Mächtigkeit der Sedimente, die wir in Olympia gefunden haben, passen nicht zur Wasserführung und zum geomorphologischen Inventar des Kladeos. Der Bach kann das nicht verursacht haben", sagte Vött in einer Aussendung. Bisher wurde angenommen, dass ein Erdbeben im Jahr 551 n.Chr. die Heiligtümer zerstört hat und danach Überschwemmungen seitens des Kladeos zur Verschüttung der antiken Bauwerke geführt haben.

Rätselhaft ist jedoch, wie das an Olympia vorbeiziehende kleine Flüsschen Kladeos zunächst mehrere Meter Sediment aufgeschüttet haben soll, um sich anschließend zehn bis 12 Meter tief auf sein antikes Laufniveau einzuschneiden. Vött und sein Team haben das Gebiet nun mit geomorphologischen und geoarchäologischen Methoden erforscht.

Lag früher näher am Meer

Blick nach Westen über das mittlere Kladeos-Tal und den Olympia vorgelagerten Hügelzug.

A. Vött, 2010

Blick nach Westen über das mittlere Kladeos-Tal und den Olympia vorgelagerten Hügelzug. Im Hintergrund links ist das schmale Alpheios-Tal zu erkennen sowie die Küste des Golfs von Kyparissia.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Olympia in seiner Geschichte mehrfach von großen katastrophischen Fluten betroffen und in diesem Zusammenhang mit Sedimenten überdeckt wurde. Muschelklappen und Schneckengehäuse sowie Reste spezieller Foraminiferen (Einzeller) weisen eindeutig auf einen marinen Ursprung hin.

Die Sedimente sind offenbar mit hoher Geschwindigkeit und hoher Energie von der Küste an Land transportiert worden und haben Olympia trotz seiner Höhenlage auf ca. 33 Meter über Meer erreicht - vermutlich über niedrige Sättel im unmittelbar vorgelagerten Höhenzug.

"Olympia war in früheren Zeiten auch nicht 22 Kilometer vom Meer entfernt wie heute, sondern die Küste lag mindestens acht, vielleicht auch mehr Kilometer weiter landeinwärts", führt Vött aus.

Immer wieder Tsunamis

Sein Szenario: Tsunamis bauen sich vom Meer her auf, laufen in das enge Alpheios-Tal, in das auch der Kladeos-Bach mündet, mit großer Wucht ein und überfließen dann die Sättel im Hügelzug, hinter dem Olympia liegt. Die Kultstätte wird überflutet und die Wassermassen fließen nur langsam ab, weil gleichzeitig der Abfluss des Kladeos über das Alpheios-Tal durch die einlaufenden Tsunamis und deren Sedimente blockiert ist.

Wie die im Umfeld von Olympia erfassten Sedimentabfolgen nahelegen, hat sich ein solches Szenario während der letzten 7.000 Jahre mehrfach wiederholt. Bei einem der jüngeren Ereignisse im 6. Jahrhundert n.Chr. erfolgte dann die Zerstörung und Überdeckung Olympias.

Für die Olympia-Tsunami-Hypothese spricht auch, dass sowohl auf der meerzugewandten Seite des Hügelzugs als auch in Olympia identische Hochenergiesedimente gefunden wurden. "Die Ablagerungen um Olympia haben dieselbe Signatur wie die Tsunamite im vorgelagerten Alpheios-Tal", so Vött.

Alle acht bis elf Jahre

Tsunamis sind im östlichen Mittelmeer ausgesprochen häufig, was hauptsächlich an der hohen seismischen Aktivität entlang des Hellenischen Bogens liegt. Hier schiebt sich die afrikanische Platte unter die eurasische Platte und löst dadurch immer wieder starke Erdbeben mit darauffolgenden Tsunamis aus.

Der letzte Riesentsunami im Mittelmeer verwüstete 1908 nach einem Beben in der Straße von Messina (Süditalien) die angrenzenden Küstenregionen, über 100.000 Menschen starben. In der südlichen Ägäis wurde 1956 eine 30 Meter hohe Welle verzeichnet. "Die Auswertung historischer Kataloge hat ergeben, dass sich in Westgriechenland im Durchschnitt alle acht bis elf Jahre ein Tsunami ereignet", so Vött.

science.ORF.at

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