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Langflügelfledermaus

"Ausgestorbene" Fledermausart wiederentdeckt

Forscher haben in der Steiermark eine als in Österreich ausgestorben geltende Fledermausart (wieder)entdeckt: Die zwei Populationen von Langflügelfledermäusen (Miniopterus schreibersii) halten sich zumindest zeitweise in einer Höhle im Bezirk Graz-Umgebung bzw. in einem alten Pfarrhof im Bezirk Radkersburg aufhalten.

Artenvielfalt 06.07.2011

Die Entdeckung gilt als sensationell, so Guido Reiter von der Koordinationsstelle für Fledermausschutz und -forschung in Österreich (KFFÖ) - "passend zum Internationalen Jahr der Fledermaus".

Slowenische Einwanderer

Durch die langjährige Arbeit der lokalen Naturschützer und im Rahmen eines vom Land Steiermark und der EU finanzierten Artenschutzprojektes konnten die Fledermausschützer nicht nur die Art an zwei Fundorten regelmäßig nachweisen, in der Südoststeiermark gelang sogar ein Fortpflanzungsnachweis: "Hier haben wir Jungtiere festgestellt", so Reiter vom KFFÖ, das seinen Sitz im oberösterreichischen Leonding hat. Der für Naturschutz zuständige steirische Umweltlandesrat Gerhard Kurzmann meinte dazu, "die Funde in der Steiermark sind sehr erfreulich und geben Hoffnung, dass sich diese extrem gefährdete Fledermausart in Österreich wieder etablieren kann."

Kritik von Fledermauskundlern:

Kritik an der "Wiederentdeckung" der Langflügelfledermäuse kommt von einer Gruppe von ehrenamtlichen Fledermauskundlern des Landesvereines für Höhlenkunde in der Steiermark (LVHStmk), die gemeinsam mit Zoologen des Universalmuseums Joanneum und BatLife Österreich nach Eigenangaben seit über 50 Jahren die steirischen Fledermausbestände erheben

Der Fledermauskundler Harald Polt schrieb an science.ORF.at: "Uns ist das Vorkommen und die Bestandsentwicklung der Langflügelfledermaus in der Steiermark gut bekannt: Seit dem Erlöschen der Zwischen- und Winterquartiere nördlich von Graz und in Aflenz a.d. Sulm mit zusammen mehr als 700 Tieren in den 1980er Jahren, konnten wir die Art in den letzten 20 Jahren im Rahmen der Winterzählungen in geringer Zahl immer wieder in den zitierten Höhlen im Norden von Graz und in der Weizklamm feststellen. Obwohl der Winterbestand stark zurückgegangen ist, ist die Langflügelfledermaus demnach nie in der Steiermark ausgestorben gewesen."

Vor allem die Entdeckung der Fortpflanzungsnachweise der Langflügelfledermaus sei für Österreich "eine kleine Sensation darstellt". Zudem wurde durch Ringfunde festgestellt, dass die in der Steiermark aufgetretenen Flattermänner aus einer slowenischen Population stammen: "Konnten die Tiere im Herbst noch nördlich von Graz angetroffen werden, so waren sie im Winter 80 Kilometer südlich in Slowenien in einer riesigen Höhle gemeinsam mit rund 1.000 weiteren Tieren dieser Art im Winterschlaf zu finden", sagte Reiter. Die Distanz sei für die Tiere kein Problem: "Die Landflügelfledermaus hat eine Spannweite von 25 bis 30 Zentimeter, sie ist wendig und schnell. Die 80 Kilometer kann sie in zwei Nächten problemlos zurücklegen," so Reiter im APA-Gespräch am Mittwoch. Möglich sei die Beobachtung durch die gute Kooperation mit den slowenischen Kollegen, etwa dem Fledermausforscher Primoz Presetnik, gewesen.

Überleben durch mildere Temperaturen?

Warum sich die Tiere nun wieder in die Steiermark begeben haben, ist für die Forscher noch nicht geklärt: "Möglicherweise macht der Klimawandel ein Überleben weiter nördlich wieder einfacher", so Reiter. Die größten Populationen des Flattermannes sind im Mittelmeerraum zu finden, die Steiermark und das Burgenland seien die nördlichsten Verbreitungsräume größerer Gruppen gewesen, einzelne habe es in Deutschland gegeben. Einzelne Tiere habe man in den vergangenen Jahren in der Steiermark und im Burgenland registriert, aber wenn keine große Gruppen und keine Vermehrung möglich seien, gelte die Art als ausgestorben.

Vor Jahrzehnten habe es in der Steiermark noch einige größere Gruppen bis zu 500 Tieren geben, im Burgenland habe im Steinbruch von St. Margarethen eine Population von bis zu 2.000 Fledermäusen existiert. Der Pestizid-Einsatz habe über die Jahre mehreren Gruppen und Arten schwer zugesetzt. "Einige Arten sind weiterhin akut vom Aussterben bedroht, so auch weiterhin die Langflügelfledermaus. Es gilt nun dieser Art das Überleben in der Steiermark und in Österreich zu sichern," sagte Reiter.

science.ORF.at/APA

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