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Habsburg-Feierlichkeiten "nicht angemessen"

Der Historiker Karl Vocelka zeigt sich angesichts der Trauerfeiern für den letzten Kaisersohn Otto Habsburg sehr skeptisch. Ihm fehle "absolut" die kritische Auseinandersetzung mit der Monarchie, sagte der Vorstand des Instituts für Geschichte der Universität Wien im Ö1-Morgenjournal.

Kritik 13.07.2011

Die Art der Beisetzung sei mit jener von Kaiserin Zita von 1989 vergleichbar, allerdings sei sie eine ehemalige regierende Kaiserin gewesen. Auf die Frage, ob die Feierlichkeiten für Otto Habsburg angemessen sind, sagte er: "Dazu will ich nicht Stellung nehmen. Ich bin der Meinung, das ist nicht angemessen, weil es den Charakter eines Staatsbegräbnisses hat."

"Viel beschönigt"

Ö1-Sendungshinweis

Morgenjournal, Mittwoch, 13.7.2011:

Derzeit werde "viel beschönigt", erklärte Vocelka weiter. "Es werden Dinge betont wie die Einigung Europas, der Fall des Eisernen Vorhangs. Aber es wird nie darauf eingegangen, welche Hintergründe und Ziele da sind: die Frage der Wiedererrichtung der Monarchie, die ja nicht ganz aus dem Denken von Otto Habsburg und seiner Familie wegzudenken ist." Vocelka sagte, er selbst habe dazu eine "sehr, sehr kritische Haltung". Allerdings sollte man in der jetzigen Situation, "bei einem Begräbnis (...) nicht die große Kritik auffahren".

Der Historiker glaubt außerdem, dass sich niemand "die Zustände der Habsburger Monarchie" zurückwünsche. Attraktiv sei für die Bevölkerung zwar der "Glanz und Glitter in der Art der Sisi-Filme und der Heimat-Filme", die in den 50er und 60er Jahren die österreichische Mentalität geprägt hätten. Auch gebe es "Nostalgie für die Monarchie", die sich nur in "bunten Uniformen, Hofbällen und dergleichen" manifestiere. Aber "das Elend, die schlechte Situation der Menschen, die nicht gelöste soziale Frage und nicht gelöste nationalen Spannungen und Probleme - das wird alles ausgeblendet".

science.ORF.at/APA

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