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Zwei Sprechblasen, in der einen steht ein "A" in der anderen ein chinesisches Schriftzeichen

Mit abstoßenden Bildern zum Vokabelkönig

Es ist kein Paradebeispiel für gelungene Didaktik, was US-Psychologen herausgefunden haben: Negative emotionale Reize können das Erlernen neuen Wissens erleichtern. Wie sie berichten, hilft etwa das Bild einer toten Katze, um sich ein Vokabel besser zu merken.

Psychologie 25.07.2011

Sehen wir nach dem Abrufen einer Information - etwa eines Wortes - aus unserem Gedächtnis ein Bild, das in uns Widerwillen oder Abneigung hervorruft, prägen wir uns dieses Wort besonders gut ein und können es später sehr wahrscheinlich wieder abrufen.

Zu diesem Ergebnis kommen Bridgid Finn und Henry Roediger von der Washington University. Sie führten mit 40 Studenten drei verschiedene Experimente durch.

Negative Bilder helfen beim Lernen

Zuerst mussten die Teilnehmer zehn Listen mit Wörtern auf Suaheli und ihrer englischen Übersetzung auswendig lernen. Danach wurden die Vokabel abgefragt. Konnten die Studenten ein Wort richtig übersetzten, zeigte ein Bildschirm drei verschiedene Reize: In einem Fall blieb der Schirm leer. Die anderen Male erschien entweder ein neutrales Bild, wie etwa eine Gabel, oder ein negatives Bild, zum Beispiel eine tote Katze.

Anschließend wurden die Studenten in einem großen Test alle vorher auswendig gelernten Vokabel abgeprüft. Die Teilnehmer konnten am wahrscheinlichsten Wörter widergeben, nach denen im vorhergehenden Experiment ein abstoßendes Bild erschienen war. Die negativen Stimuli hatten den Studenten offenbar dabei geholfen, sich ein Vokabel einzuprägen.

Zeitverzögerung hat keinen Einfluss

Das zweite Experiment lief ähnlich ab wie das erste: Die Studenten sahen den Stimulus allerdings erst zwei Sekunden, nachdem sie korrekt geantwortet hatten und nicht sofort. Die Ergebnisse waren trotz Zeitverzögerung des Reizes gleich, seine Wirkung wurde dadurch nicht verändert.

Kein leichteres Erinnern nach Wiederholung

Der positive Effekt tritt allerdings nur ein, wenn der negative Stimulus nach dem Abrufen von Informationen und nicht nach dem bloßen Wiederholen wahrgenommen wird. In einem weiteren Experiment mussten sich die Studenten wieder Vokabel-Paare einprägen. Anstatt die Teilnehmer anschließend abzuprüfen, gaben ihnen die Forscher noch einmal die Liste mit dem entsprechenden Vokabel-Paar. Die Studenten wiederholten die Wörter und sahen dann wieder eines von drei möglichen Bildern auf dem Bildschirm. Im anschließenden großen Test zeigten die negativen Reize keine Wirkung.

Die Forscher glauben, dass der positive Effekt auf das Merken von Informationen auf eine Verbindung zwischen Amygdala und Hippocampus zurückzuführen sein könnte. Die beiden Hirnregionen steuern jeweils Angst und das Langzeitgedächtnis.

Stefanie Rachbauer, science.ORF.at

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