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Eine Figur aus dem Pardus-Universum, Fan-Art von "Sash"

Werden wie der Computerheld

Jede Woche werden weltweit drei Milliarden Stunden mit Videospielen verbracht. Etliche Studien beschäftigten sich bereits mit möglichen negativen Folgen. Die Frage, warum diese Spiele so begehrt sind, wurde bis jetzt hingegen weniger Beachtung geschenkt.

Psychologie 04.08.2011

Warum Abermillionen Menschen auf der ganzen Welt so viel Gefallen daran finden, stundenlang mit Controller oder Maus in der Hand, Computerprogramme mit implementierten Regeln zu bedienen, versuchen die Forscher der University of Essex unter der Leitung von Andrew Przybylski nun herauszufinden.

Sie gingen von der Annahme aus, dass der besondere Reiz in der Möglichkeit liegt, verschiedene Charaktere zu steuern, die den Spielern als Ideale dienen. Die Studie, die demnächst im Psychological Science erscheint, ist Teil einer Reihe von Nachforschungen die sich mit der Frage beschäftigen, was derart viele Menschen zu einer so großen Bandbreite an Spielen bewegt.

Gemeinsam mit Co-Autorin Netta Weinstein untersuchte Przybylski hunderte Gelegenheitsspieler und fast tausend regelmäßige Spieler. Gespielt wurde alles, angefangen von den Sims über Call of Duty bis zu World of Warcraft. Man befragte sie, wie sie sich nach dem Spielen fühlten, bezogen auf die Attribute und Charaktereigenschaften ihrer Wunschpersönlichkeit. So wollte Przybylski herausfinden, ob Videospiele als eine Art Flucht vor sich selbst dienen.

Wunschcharaktere in Videospielen

Wie sich zeigte, liegt der User-Nutzen tatsächlich darin, verschiedene Charaktere und Eigenschaften zu testen, die man selbst gerne besitzen würde. Die Spieler fühlten sich besser, mit einer neuen Rolle stieg auch ihr Selbstbewusstsein. Ob Held, Schurke oder gar anderes Geschlecht, spielte dabei keine Rolle. "Die Menschen laufen nicht vor sich selbst weg, vielmehr wollen sie so werden wie ihre Ideale. Sie flüchten sich nicht in ein Spiel und somit ins Nichts, sie flüchten zu etwas", erklärt Przybylski in einer Aussendung.

Untersucht wurden die Emotionen der Spieler sowohl während des Spiels, wie auch die Motivation zu spielen. Es zeigte sich, dass das Vergnügen an Videospielen am Größten ist, wenn der Unterschied zwischen dem realen Leben und dem virtuellen Wunschcharakter möglichst klein ist.

Die ganze Attraktion von Videospielen liegt demnach in der Chance, sich eine beliebige Rolle zuzulegen und diese im Spiel virtuell zu erleben. "Ein Spiel macht mehr Spaß, wenn man darin handeln und sein kann, wie man selbst gerne wäre", so Przybylski weiter.

Angesichts der schier unendlichen Anzahl an Gewaltspielen ist jedoch zu hinterfragen, ob es wirklich immer wünschenswert ist, dass Spieler wie ihre "Ideale" werden.

science.ORF.at

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