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Nebelschwaden vor dem Mond

Brauchen wir den Mond?

Ohne den Mond wäre das Leben auf der Erde nicht möglich, denn seine Schwerkraft stabilisiert die Erde. Das dachte man zumindest - bis drei amerikanische Forscher nun eine Studie veröffentlichten, die das Gegenteil besagt.

Astronomie 12.08.2011

Der Mond ist mit seinen selbst mit bloßem Auge erkennbaren Details nach der Sonne das mit Abstand hellste Objekt des Himmels. Seit Jahrtausenden bewundern wir Phasen- und Helligkeitswechsel sowie Mondfinsternisse.

Die Himmelsscheibe von Nebra beispielsweise, oder das Steinmonument Stonehenge, welches so gebaut wurde, dass spezielle Positionen des Mondes vorhersagbar und bestimmbar waren, sind Zeugnisse der Bedeutung des Mondes für frühere Kulturen. Auch heute ist seine symbolische Kraft nicht zu unterschätzen, man braucht nur an den Wettlauf zum Mond in den 1960er Jahren, oder an die angekündigte Mondbasis der Chinesen bis spätestens 2024, denken. Die Bedeutung des Mondes drückt sich auch in unseren Kalendern aus. Dass die Woche sieben Tage hat, liegt an der zeitlichen Folge der vier Mondphasen.

Leben ohne Mond

Bis heute nahm man außerdem an, dass ohne Mond kein Leben möglich wäre. Es würde sich zwar nichts an der Umlaufbahn der Erde um die Sonne ändern, aber alle paar Millionen Jahre würde unser Planet um bis zu 85 Grad kippen und das hätte gravierende Folgen für das Klima: Tropische Zonen versänken in Eis und Schnee, während sich Polarregionen auf bis zu 80 Grad Celsius erhitzten.

Der Mond ist im Vergleich zu den Proportionen anderer Trabanten sehr groß und sehr nah. Sein gravitativer Einfluss müsste laut früheren Studien daher viel stärker sein als der von anderen Planeten. Der Mond wirke deshalb wie ein Anker, der dafür sorgt, dass die Erdneigung konstant bleibt und sich im Laufe der Zeit nicht um mehr als 1,3 Grad ändert - dachte man bisher. Doch Computersimulationen eines amerikanischen Forscher-Trios liefern nun ein anderes Bild.

Jupiter als Ersatzmond

Die Forscher Jason Barnes, Jack Lissauer und John Chambers fanden heraus, dass die gravitative Wirkung des Jupiters ausreichen würde, um die Rotationsachse der Erde und somit auch das Klima zu stabilisieren.

Die Studie:

"Obliquity Variations of a Moonless Earth" ist im "Bulletin of the American Astronomical Society" erschienen.

Die Simulationen zeigen jedoch auch, dass nur mit der Anziehungskraft des Jupiters, die Erde in einer halben Milliarde Jahre um 10 bis 20 Grad schwanken würde. Bedenkt man, dass die Eiszeiten durch eine Neigung von ein bis zwei Grad ausgelöst wurden, dann sind zehn Grad noch immer sehr viel. "Es hätte Effekte, aber es könnte die Entwicklung von intelligentem Leben nicht verhindern", sagte Barnes dem Astrobiology Magazine der NASA.

Damit steigt nach Ansicht der Wissenschaftler auch die Wahrscheinlichkeit für außerirdisches Leben. Wenn ein großer Mond für die Stabilisierung des Klimas und somit für die Entstehung von intelligentem Leben unbedingt notwendig wäre, so würde nur ein Prozent aller erdähnlichen Planeten, also alle Planeten mit einer harten, felsigen Oberfläche wie die der Erde die Bedingungen erfüllen. - Mit den neuen Erkenntnissen steigt dieser Wert auf 75 Prozent.

Mond trotzdem wichtig

Ein Mond kann sogar Nachteile mit sich bringen, wie Barnes erklärt: "Ein Mond kann stabilisieren oder destabilisieren, je nachdem was sich im Rest des Planetensystems tut." Würde der Jupiter zum Beispiel näher an der Erde seine Runden um die Sonne drehen, dann könnte der Mond der gravitativen Wirkung des Jupiters entgegenwirken, was zu heftigen Schwankungen der Erdneigung führen würde. Das hätte dramatische Auswirkungen auf das irdische Klima. "Ein großer Mond kann stabilisieren, aber in den meisten Fällen ist er nicht notwendig", führt der Wissenschaftler fort.

Trotz der neuen Ergebnisse sagt Barnes auch, dass weitere Forschungen unbedingt notwendig sind. Denn der Mond hat noch viele andere Einflüsse auf die Erde. Ob es ohne Mond auch Ebbe und Flut, wie wir sie kennen, gäbe, ist beispielsweise mehr als fraglich.

Etwas weniger Bewegung der Weltmeere würde aber schon die Aufnahme und den Austausch von mineralischen Nährstoffen, ein wichtiger Baustein für das Leben im Ozean, verhindern, was ein regelrechtes Artensterben im Meer verursachen würde. Außerdem spendet der Mond in der Nacht Licht. Ohne diesem gäbe es viel weniger Tier- und Pflanzenarten, da sich viele Lebewesen am nächtlichen Licht orientieren.

So gesehen ist es jedenfalls ein Glück, dass vor einigen Milliarden Jahren ein gewaltiger Himmelskörper mit der Erde kollidierte und dadurch der Mond erschaffen wurde. Selbst wenn es uns auch ohne Mond geben könnte.

science.ORF.at

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