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Ein Fischschwarm

Zertifizierter Fisch nicht immer "gut"

Trägt ein Fisch im Supermarkt das MSC-Siegel, kann man ihn getrost kaufen, schließlich stammt er aus nachhaltiger Fischerei - dachte man bisher. Forscher haben nun anhand einer Fischart durch DNA-Analysen festgestellt, dass ein Teil der als "gut" verkauften Tiere nicht nachhaltig gefangen wurde.

DNA-Analyse 23.08.2011

Sie wollen mit ihrer Studie nicht generell die Arbeit des Marine Stewardship Councils (MSC) in Frage stellen, sondern auf Schwachstellen aufmerksam machen, schreiben der Biologe Peter Marko von der Clemson University und seine Kollegen. Der MSC selbst spricht von "beunruhigenden Ergebnissen" und hat eine Untersuchung gestartet.

Die Studie:

"Genetic detection of mislabeled fish from a certified sustainable fishery" ist in "Current Biology" erschienen (DOI: 10.1016/j.cub.2011.07.006).

Nur eine Population zertifiziert

Konkret geht es in der Studie um den MSC-zertifizierten Schwarzen Seehecht, der im südlichen Ozean nahe der Antarktis lebt. Nur das Fischen in einer Population wurde durch den Marine Stewardship Council als nachhaltig zertifiziert: in jener, die rund um die subantarktische Insel South Georgia und einem nahe gelegenen Plateau mit Namen Shag Rocks beheimatet ist.

Die DNA-Analyse zeigte, dass zu acht Prozent gänzlich andere Fische unter dem Namen Schwarzer Seehecht verkauft wurden. Jene Tiere, die sich tatsächlich als Schwarzer Seehecht herausstellten, stammten zu 15 Prozent aus anderen, nicht für nachhaltige Fischerei zertifizierten Populationen - manche sogar aus Gewässern vor Südamerika oder dem südlichen Indischen Ozean.

Prüfung in Auftrag gegeben

"Unsere Analyse weist auf eine Lücke in der Versorgungskette hin", kommentiert Marko seine Studie. Schockiert sei er davon nicht, der Forscher spricht von weit verbreiteten Täuschungspraktiken der Fischindustrie.

Der Marine Stewardship Council verweist in einer Stellungnahme darauf, dass er selbst immer wieder DNA-Analysen in Auftrag gebe, um genau solche Betrügereien auszuschließen. Erst 2009 wurde durch solche Untersuchungen bestätigt, dass der MSC-zertifizierte Schwarze Seehecht aus nachhaltiger Fischerei stamme.

Man habe jedenfalls die Studienautoren kontaktiert, um Ergebnisse abzugleichen: "Sollte tatsächlich ein Verstoß vorliegen, kann das zu einem Entzug oder einem Aussetzen des MSC-Zertifikats in der Lieferkette führen."

Elke Ziegler, science.ORF.at

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