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Außenansicht des Kongresszentrums beim in Alpbach

Platonisches zum Beginn

Das Wissenschaftsministerium möchte die Nachwuchsförderung forcieren; das Infrastrukturministerium hat elf österreichische Unternehmen dazu gebracht, ihre Forschungsausgaben um ein Fünftel zu erhöhen: Bei den donnerstags eröffneten Technologiegesprächen in Alpbach gab es einige Neuigkeiten - und eine Erinnerung an Platon.

Technologiegespräche Alpbach 25.08.2011

Während Infrastrukturministerin Doris Bures (SPÖ) ihre Initiative "Innovationsland Österreich" präsentierte, nahm Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP), das Generalthema des Forum Alpbach 2011 "Gerechtigkeit" wörtlich.

Aus der historischen Ideenkiste

Technologiegespräche in Alpbach

Von 25. bis 27. August finden im Rahmen des Europäischen Forums Alpbach die Technologiegespräche statt, organisiert vom Austrian Institute of Technology (AIT) und der Ö1-Wissenschaftsredaktion. Das Thema heuer lautet "Technologie als Chance - Verantwortung für die Zukunft". Dazu diskutieren Minister, Nobelpreisträger, internationale Experten u.a.

In einem kurzen, aber launigen Vortrag kramte der gelernte Philologe in der Ideenkiste der Gerechtigkeit bei Cicero und Platon. Das Hauptwerk des letzteren, "Der Staat", trug den Untertitel "Über das Gerechte", insofern scheint das Nachdenken über das Zusammenleben der Menschen immer schon mit der Frage nach Gerechtigkeit verbunden.

Platon beantwortete die Frage nach dem idealen, gerechten Staat bekanntermaßen mit der Herrschaft der Philosophen - umfassend und vielfältig ausgebildet sollten sie an der Spitze des Staates stehen und ihn weise führen. Für Denker vom Schlag eines Karl Popper war diese platonische Staatsidee schon ein früher Vorläufer faschistischer Ideologien, was Töchterle als "übertrieben" bezeichnete.

"Ich bin nun in einer platonischen Situation", skizzierte Töchterle in Alpbach seine Lage, nun als Philologe die Geschicke des Wissenschaftsministeriums zu lenken.

Platon heute: Mitteleffizienz

BM Karlheinz Töchterle in Alpbach

ORF/Johannes Cizek

Karlheinz Töchterle in Alpbach

Für ihn heißt das heute, "für den möglichst effizienten Einsatz öffentlicher Mittel zu sorgen und für die Zukunft unseres Landes das Bestmögliche zu tun". Der diese Woche präsentierte Bericht einer Expertengruppe beinhalte schon zahlreiche Punkte, diese Ziele zu erreichen. Etwa die Beschränkung der Studienplätze im Zuge einer Studienplatzfinanzierung, neue Selektionskriterien an den Hochschulen und auch "Studienbeiträge".

Spätestens bis Februar des nächsten Jahres soll ein Konzept vorliegen, wie "sozial gerechte Studienbeiträge" aussehen sollen. "Es ist nicht einzusehen, dass eine Supermarktkassiererin das Studium eines Millionärs aus Mailand zahlt", wagte sich Töchterle auch einmal auf das Parkett populärer Formulierungen.

Dass er damit seinen Koalitionspartner überzeugen wird, scheint aber eher fraglich. Nicht in Alpach, aber im Ö1-"Mittagsjournal" sprach sich SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas am Donnerstag einmal mehr gegen Studiengebühren aus. Diese würden aus Ihrer Sicht sehr wohl dazu führen, dass sich junge Menschen ein Studium nicht mehr leisten könnten.

Ö1 Hinweise:

Eine Reihe von Sendungen begleitet das Europäische Forum Alpbach 2011 in Ö1. Die Technologiegespräche stehen im Mittelpunkt von Beiträgen in den Journalen, in Wissen aktuell, in den Dimensionen und bei der Kinderuni.

Mitglieder des Ö1 Club erhalten beim Europäischen Forum Alpbach eine Ermäßigung von zehn Prozent.

Antizyklisch investieren

Dass diese jungen Menschen wichtig sind für die wirtschaftliche Entwicklung Österreichs in der Zukunft, darüber war man sich in Alpbach einig. Das Wissenschaftsministerium stellt für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses heuer rund 80 Millionen Euro zur Verfügung, weitere 26 Millionen Euro wurden mit EU-Förderungen eingeworben.

Infrastrukturministerin Doris Bures verwies auf die Wichtigkeit, in Krisen antizyklisch in Zukunftsbereiche zu investieren. Trotz vorrangiger Budgetkonsolidierung seien die Mittel für angewandte Forschung von 2008 bis 2010 von 350 auf 400 Millionen gestiegen. Heuer klettere man um fünf Prozent auf 420 Millionen, bis 2014 soll es dann eine jährliche Aufstockung um 2,5 Prozent geben.

750 Millionen Euro mehr in F&E

BM Doris Bures in Alpbach

ORF/Johannes Cizek

Doris Bures in Alpbach

Dass sich Ausgaben für Forschung und Entwicklung auszahlen, hat sich die Infrastrukturministerin durch eine Wifo-Studie bestätigen lassen - und zwar sowohl für die Beschäftigten als auch die Unternehmen. So hätten forschungsintensive Unternehmen während der Krise geringere Umsatz- und Beschäftigungsverluste erlitten und wiesen jetzt sogar einen höheren Mitarbeiterstand als vor der Krise auf.

Bei der nun in Alpbach vorgestellten Initiative "Innovationsland Österreich" haben elf Betriebe mitgemacht: Infineon, Magna, KTM, Lenzing, AVL List, AT & S, Doppelmayr, Kiska, Marinomed, TTTech und Geoville wollen ihre Aufwendungen für die Forschung in den nächsten vier Jahren um 20 Prozent zu erhöhen. Konkret sollen 2015 insgesamt 750 Millionen in diesen Bereich fließen.

Bures hofft, dass von dieser Initiative eine "Ansteckung" auch auf Klein- und Mittelbetriebe ausgeht.

science.ORF.at/APA

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