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Weiße Labormaus

Altes Blut lässt junge Gehirne altern

Im Alter nimmt die Gehirnleistung und die Neubildung von Nervenzellen aus Gehirnstammzellen deutlich ab. Dafür könnten Eiweißstoffe im Blut verantwortlich sein, wie Forscher in einer aktuellen Studie berichten.

Versuch 02.09.2011

Sie haben jungen Mäusen das Blut alter Mäuse verabreicht, der Eingriff ließ die jungen Gehirne frühzeitig altern. Die Studie wurde unter der Leitung von Forschern der Stanford University mit Beteiligung der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg durchgeführt.

Ein Kreislauf für zwei Tiere

Am Beginn der Untersuchungen haben die Wissenschaftler das Kreislaufsystem von einer alten und einer jungen Maus chirurgisch zusammengeschlossen, sodass sich das Blut der beiden Tiere mischte. Dies führte zu Veränderungen des Gehirns, sowohl in den jungen, als auch in den alten Mäusen: Während die älteren Tiere dreimal mehr neue Nervenzellen als üblich produzierten, ging bei den jungen Nagern diese Neuproduktion deutlich zurück.

Auf der Suche nach den Ursachen für diese Veränderungen stießen die Wissenschaftler auf Eiweißstoffe im Blut, sogenannte Chemokine, speziell Eotaxin. Chemokine sind Signalstoffe im Immunsystem und Eotaxin ist ein bekanntes Molekül aus der Allergie- und Asthmaforschung. "Das Erstaunliche ist, dass bisher überhaupt kein Zusammenhang zwischen Eotaxin und dem Nervensystem vermutet wurde", erklärte Ludwig Aigner, Co-Autor der Studie von der Paracelsus-Universität..

Mögliche Anwendung: Alzheimer

Die Wissenschaftler konnten aber klar zeigen, dass die Zugabe von Eotaxin den Alterungsprozess in den Mäusehirnen beschleunigt. In einem nächsten Schritt soll geklärt werden, ob die Unterdrückung dieses Proteins die Alterung verzögert oder blockiert. Wie das Eotaxin auf die Nervenzellen wirkt, ist noch völlig unklar. "Wir wissen nicht einmal, ob Eotaxin direkt auf die Nervenzellen wirkt oder vielleicht indirekt über einen anderen Zelltyp", so Aigner.

Dennoch denken die Wissenschaftler natürlich schon über mögliche Anwendungen nach und hoffen auf neue Möglichkeiten der zukünftigen Behandlung von altersbedingten neurodegenerativen Erkrankungen wie Demenz und Alzheimer. Laut Aigner gibt es aus der Allergieforschung bereits Hemmstoffe für Eotaxin. Sie befinden sich derzeit in der klinischen Erprobung.

science.ORF.at/APA

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