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Barbie im rosa Kleid

Mädchen lieben Rosa - aber erst mit zweieinhalb

Warum bevorzugen Mädchen Rosa? Auch bei dieser Frage streiten sich die Lager, die mit "Natur" bzw. "Kultur" antworten. Letztere bekommen nun Schützenhilfe. Laut einer aktuellen Studie ist die weibliche Vorliebe für die Farbe nicht angeboren, sondern wird im Alter von rund zweieinhalb Jahren erworben.

Psychologie 06.09.2011

Genau dann nämlich, wenn sie sich genauso wie Buben ihrer Geschlechterunterschiede bewusst werden und auch darüber reden, berichten die Psychologinnen Vannessa LoBue und Judy DeLoache von der University of Virginia.

Die Studie:

"The early development of gender-stereotyped colour preferences" von Vannessa LoBue und Judy DeLoache ist im "British Journal of Developmental Psychology" erschienen.

Eine evolutionsbiologische Erklärung

Frühere Studien haben versucht, die Präferenz von Frauen für Rosa und andere Rottöne evolutionsbiologisch zu erklären. In der menschlichen Urgeschichte sei es für die weiblichen Sammler wichtiger gewesen, rote Früchte vom grünen Hintergrund zu unterscheiden, als für die männlichen Jäger.

"Wenn Frauen eine biologische Prädisposition für die Vorliebe von Farben wie Rosa haben, dann sollte diese unabhängig von der Erfahrung und dem Erwerb von Geschlechterbegriffen bestehen", meinen nun LoBue und DeLoache - und haben dies in mehreren Versuchen widerlegt.

Gegenteilige Tendenz bei Buben und Mädchen

In einem ersten Schritt konfrontierten sie knapp 200 Mädchen und Buben im Alter zwischen sieben Monaten und fünf Jahren mit Paaren kleiner Gegenstände wie z.B. Untersetzer. Die Gegenstände unterschieden sich in nichts, außer in ihrer Farbe: einer war immer rosa. Die Forscherinnen beobachteten nun, nach welchen der beiden Objekte die Kinder griffen.

Unterhalb von zwei Jahren gab es keine Unterschiede zwischen Buben und Mädchen. Ab diesem Zeitpunkt langten die Mädchen öfter nach den rosa Gegenständen, mit zweieinhalb Jahren war der Unterschied statistisch signifikant. Mit vier Jahren wählten die Mädchen bereits in nahezu 80 Prozent aller Fälle "Rosa".

Bei den Buben zeigte sich das genau gegenteilige Verhalten. Auch sie begannen mit zwei Jahren, ihre Farbvorliebe zu definieren und Rosa abzulehnen - mit fünf Jahren wählten nur noch rund 20 Prozent diese Farbe.

Wendepunkt mit zweieinhalb

Der entscheidende Übergang vollzieht sich also offenbar im dritten Lebensjahr der Kinder. Deshalb haben ihn sich die Psychologinnen in einem zweiten Studienschritt noch genauer angesehen. Mit 64 Buben und Mädchen wiederholten sie den Test, und dabei zeigte es sich, dass der Wendepunkt wohl genau bei zweieinhalb Jahren liegt.

"Genau zu wissen, wann Kinder ihre Farbvorlieben entwickeln, vertieft unser Verständnis für die Entwicklung von geschlechtstypischem Verhalten im Allgemeinen", schließen LoBue und DeLoache.

Aus älteren Studien ist bekannt, dass Kindern im Alter von rund zwei Jahren die Unterschiede der Geschlechter bewusst werden und dass sie daraufhin beginnen, ihr Verhalten abzustimmen. Mädchen sind dabei etwas früher dran als Buben.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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