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Nebelschwaden vor dem Mond

Zwillingssonden "Grail" fliegen zum Mond

Sie sollen die Schwerkraft des Mondes hundert- bis tausendmal genauer vermessen als bisher: Mit den Zwillingssonden "Grail" wollen Forscher die innere Struktur des Erdtrabanten erkunden - und erhoffen sich davon auch Aufschlüsse über die Planetenentwicklung.

Raumfahrt 12.09.2011

Innere Struktur des Mondes

Die beiden "Grail"-Raumsonden der Nasa sind am Wochenende erfolgreich zu ihrer neunmonatigen Mondexpedition gestartet. Die kühlschrankgroßen Zwillinge hoben am Samstag um 15.08 MESZ mit etwa halbstündiger Verspätung vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida ab, wie die US-Raumfahrtbehörde mitteilte.

"Grail" soll das Schwerefeld des Mondes hundert- bis tausendmal genauer bestimmen als bisher. Astronomen erwarten sich davon Aufschlüsse über die innere Struktur des Erdtrabanten.

Zwei Sonden

Die 456 Millionen Dollar (363 Millionen Euro) teure "Grail"-Expedition ("Gravity Recovery And Interior Laboratory") wird vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa geleitet. Der Start der Zwillingssonden war zuvor mehrfach verschoben worden, unter anderem wegen schlechten Wetters. Nachdem sie nun von einer Delta-Trägerrakete erfolgreich ins All gehievt wurden, trennten sich die beiden Sonden und fliegen nun auf separaten Bahnen zum Mond.

"Grail"-A und -B werden den Erdtrabanten in dreieinhalb Monaten erreichen. Dort sollen sie so in Umlaufbahnen einschwenken, dass sie mit etwa 100 Kilometern Abstand in einer Tandemformation hintereinanderherfliegen. Für diese Annäherung hat die Nasa zwei Monate veranschlagt.

Schwerkraft-Schwankungen

Die komplizierten Manöver der Mission seien so bei einer Erkundungsmission außerhalb der Erde bislang noch nie geflogen worden seien, betonte die Nasa. Während der anschließenden 82 Tage langen Messphase sollen die beiden Sonden winzige Schwankungen im Schwerkraftfeld des Mondes kartieren.

Wegen dieser Schwankungen, die von Gebirgen und Tälern, aber auch unterirdischen Masseänderungen hervorgerufen werden, fliegen die Sonden jeweils etwas schneller oder langsamer. Diese Geschwindigkeitsänderungen überwachen die "Grail"-Zwillinge gegenseitig.

Entwicklung des Mondes

Auf diese Weise entsteht eine etwa hundertmal genauere Schwerkraftkarte der Vorderseite des Mondes und eine tausendmal genauere Schwerkraftkarte der Rückseite als bisher. Diese Karten erlauben Einblicke in die innere Struktur des Erdtrabanten - von der Kruste bis zum Kern, wie die Nasa betont.

Aus den Erkenntnissen zur Entwicklungsgeschichte des Mondes erwarten die Forscher auch Aufschlüsse über die Entwicklung der inneren Gesteinsplaneten unseres Sonnensystems, einschließlich der Erde.

science.ORF.at/dpa

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