Standort: science.ORF.at / Meldung: "Rabenvögel haben Tauschtalent"

Rabe in Nahaufnahme

Rabenvögel haben Tauschtalent

Rabenvögel können auch Geduld haben - wenn später eine entsprechende Belohnung lockt. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Vögel minderwertiges Futter unangetastet lassen, wenn sie es später gegen eine qualitätsvolle Belohnung eintauschen können.

Ethologie 14.09.2011

Die Entscheidung zum Tauschen machen die Tiere sowohl von der Qualität der Belohnung als auch von der Wartezeit abhängig.

Geduldige Krähen

Zur Studie in den "Biology Letters":

"Corvids can decide if a future exchange is worth waiting" (sobald online) von Valerie Dufour et al.

Bei ihren Experimenten arbeiteten die Experten mit zwölf Vögeln, davon sechs Rabenkrähen und vier Raben aus der Konrad Lorenz Forschungsstelle in Grünau im Almtal (OÖ) und zwei weiteren Raben aus dem Zoo in Edinburgh. Diesen brachten sie zunächst das Tauschen bei. Später stellten sie die Tiere vor die Wahl: entweder schlechtes Futter sofort oder gutes Futter nach einer Wartezeit.

Ö1 Sendungshinweis:

Über die Studie berichtet auch Wissen Aktuell am 14.9. um 13:55.

Nach Angaben von Claudia Wascher von der Konrad Lorenz Forschungsstelle wurden derartige Versuche erstmals mit Vögeln durchgeführt. Bisher seien diese Fähigkeiten nur bei Primaten getestet worden, sagte sie gegenüber der APA.

Die größte Ausdauer besaßen nach Angaben der Wissenschaftler zwei Krähen. Sie warteten bis zu 320 Sekunden auf ihre Belohnung, ohne das minderwertige Futterstück anzurühren. Damit waren sie jedoch die Ausnahme. Generell nahm die Tauschbereitschaft der Vögel mit zunehmender Wartezeit ab. Schon bei einer Wartezeit von mehr als 40 Sekunden kam es in weniger als der Hälfte der Tests zum erfolgreichen Tausch, schreiben die Forscher.

Qualität zählt

Trotzdem sieht das Team um Valerie Dufour von der Universität Straßburg in den Ergebnissen einen Durchbruch. Diese zeigten, dass Rabenvögel ihr unmittelbares Verlangen nach Nahrung kontrollieren könnten, um in naher Zukunft noch besseres Futter zu bekommen.

Die Fähigkeit, warten zu können, wird oft als kognitive Leistung gewertet, die Kooperation mit anderen Individuen ermöglicht. Wascher bezweifelt allerdings, dass das geduldigere Warten auf besseres Futter eine Frage der Intelligenz sei. Sie glaubt vielmehr, dass das viel mit der Persönlichkeit der einzelnen Individuen zu tun hat.

Bei den Versuchen zeigten sich laut Wascher auch Unterschiede zwischen Primaten und Vögeln: Während Primaten gerne auf mehr Futter warten, spielt bei den Vögeln vor allem die Qualität des Futters eine Rolle.

science.ORF.at/APA/dpa

Mehr zum Thema: