Standort: science.ORF.at / Meldung: "Geld fördert den Speichelfluss "

Ein Mann hält ein Bündel 100-Euro-Scheine in den Händen

Geld fördert den Speichelfluss

Der Effekt ist wohlbekannt: Beim Betrachten schmackhafter Speisen läuft einem das Wasser im Mund zusammen - zumindest wenn man hungrig ist. Forscher haben nun die gleiche Reaktion in Bezug auf Geld und Sportwagen beobachtet.

Saliva-Effekt 15.09.2011

Seit den Versuchen von Iwan Petrowitsch Pawlow ist der Speichelfluss ein seriöses Untersuchungsobjekt. Pawlow hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts gezeigt, dass man die natürlichen Auslöser von Reflexen durch andere ersetzen kann. Er servierte Hunden Futter und ließ dazu einen Glockenton ertönen, nach einigen Versuchen reichte das Klingeln der Glocke allein, um die - nun konditionierten - Hunde zum Speicheln anzuregen. Dass auch der Mensch auf Reize abseits des Essens mit Speichelfluss reagiert, noch dazu ohne entsprechende Versuchsanordnung, das wäre dem russischen Physiologen wohl nicht in den Sinn gekommen.

Die Studie

"A Mouthwatering Prospect: Salivation to Material Reward", Journal of Consumer Research online.

"In vielen Sprachen sind die Begriffe für Hunger und Speichelfluss Metaphern für das Bedürfnis nach nicht-essbaren Dingen und Gütern", sagt David Gal von der Northwestern University. Er hat im Rahmen zweier Versuche untersucht, ob die sprachlichen Gepflogenheiten eine physiologische Grundlage haben. Seine Antwort: Ja, sie haben. Gal steckte seinen Probanden Baumwollrollen in den Mund, die normalerweise in Zahnarztpraxen verwendet werden und wog die Rollen nach den Versuchen ab.

Testpersonen, die Bilder von Geldscheinen betrachtet hatten, speichelten tatsächlich mehr als jene aus einer Kontrollgruppe. Allerdings nur dann, wenn Gal ihnen zuvor den Eindruck vermittelt hatte, sie seien machtlos.
Ähnliches bei Abbildungen teurer Statussymbole: Männer, denen zuvor suggeriert wurde, sie würden bald die Bekanntschaft einer Frau machen, speichelten beim Anblick von Sportwagen.

Warum? "Eine Erklärung ist, dass alle Objekte des Begehrens, seien sie nun biologisch oder nicht, das gleiche Belohnungssystem im Gehirn aktivieren ", sagt der US-Ökonom. "Der Speichelfluss könnte einfach eine Reaktion darauf sein."

Robert Czepel, science.ORF.at

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