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Skyline einer asiatischen Großstadt

Enormes Städtewachstum prognostiziert

Forschern zufolge werden die Städte in den nächsten 20 Jahren weltweit um insgesamt 1.527.000 Quadratkilometer wachsen. Das entspricht mehr als 18 Mal der Fläche von Österreich. Die Urbanisierung und ihre mitunter negativen Folgen seien nicht aufzuhalten.

Geografie 16.09.2011

Städte verändern die Welt

Die Verstädterung verändert laut den Forschern um Burak Güneralp von der Texas A&M University unsere Welt. Landwirtschaftliche Nutzflächen gehen verloren, das lokale Klima verändert sich, Lebensräume werden zerstört und die Biodiversität dadurch bedroht.

Zur Studie in "PLoS ONE":

"A Meta-Analysis of Global Urban Land Expansion" von Karen C. Seto et al.

Für seine Untersuchung hat das Team eine Metaanalyse von 326 Studien zur Urbanisierung von ländlichen Lebensräumen durchgeführt. Von 1970 bis 2000 ist die von Städten genutzte Fläche demnach um 58.000 Quadratkilometer gewachsen. Die höchsten Zuwachsraten hatten die Städte in Indien, China und Afrika zu verzeichnen, den größten absoluten Flächenzuwachs weist jedoch die USA auf.

Die Ausdehnung liege teilweise über dem Bevölkerungswachstum, sei also nicht sehr kompakt. Zur Hälfte, wie etwa in China, ist ein steigendes Bruttoinlandprodukt (BIP) der Motor für das Erschließen neuer Flächen, wohingegen in Indien und Afrika die rasch wachsende Bevölkerung dafür verantwortlich ist. Generell ist das BIP in Ländern mit höherem Einkommen maßgeblich.

Laut den Forschern spielen aber noch eine Reihe anderer Faktoren eine wichtige Rolle. Dazu zählen u.a. der internationale Kapitalmarkt, Schattenwirtschaft, die jeweilige Politik der Landnutzung und Transportkosten.

Entwicklung mit Vor- und Nachteilen

Anhand der Daten entwickelten die Wissenschaftler ein Modell für mehrere Zukunftsszenarien bis ins Jahr 2030. Herausgekommen ist ein Zuwachs zwischen 430.000 und 12.568.000 Quadratkilometern. Die wahrscheinlichste Schätzung betrage etwa 1.527.000. Das entspricht etwa zwei Mal der Fläche von Texas bzw. jener der Mongolei.

Das Wachstum wird den Forschern zufolge nicht ohne weitreichende Folgen bleiben, z.B. für landwirtschaftliche Nutzflächen, für das Klima sowie die Biodiversität. Auch für den Menschen entstünden Gefahren, etwa in Küstenregionen, wo die Städte besonders rasant wachsen. "Überschwemmungen, Hurrikans, Tsunamis oder andere Katastrophen gefährden besonders Menschen und Infrastruktur in Meeresnähe", so Güneralp.

Natürlich habe die Urbanisierung nicht nur Nachteile: Menschen, die in der Stadt leben sind, haben meist einen besseren Zugang zu gesundheitlicher Versorgung sowie zu sanitären Einrichtungen. Auch der Energieverbrauch lässt sich effizienter gestalten. Zudem entstehen im engen Kontakt der Menschen die meisten Ideen und Möglichkeiten.

science.ORF.at

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