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Männliches Gesicht

Den Erfolg ins Gesicht geschrieben

Die Gesichtsform von Firmenchefs beeinflusst einer Studie zufolge den Erfolg von Unternehmen. CEOs mit breiten Gesichtern bilanzieren in wirtschaftlicher Hinsicht besser als ihre schmalgesichtigen Kollegen.

Wirtschaft 16.09.2011

Was ist der Unterschied zwischen diesem und diesem Top-Manager? Der erste, Herb Kelleher, ist der Chief Executive Officer von Southwest Airlines, der zweitgrößten Fluglinie der Welt. Das Unternehmen befindet sich auf Expansionskurs und übernahm letztes Jahr die Fluglinie AirTran für 1,4 Milliarden US-Dollar.

Ganz im Gegensatz zu jener Firma, die der US-amerikanische Manager Dick Fuld bis zum 15. September 2008 geleitet hat: Die Investmentbank Lehman Brothers ging an diesem Tag in Konkurs - und löste damit in der weltweiten Finanzwirtschaft einen Flächenbrand aus.

Maß für Aggression

Freilich: Dass Erfolgsmann Kelleher ein markantes, breites Gesicht hat und Bankrotteur Fuld ein eher schmales, mag Zufall sein. Es ließen sich auch Gegenbeispiele finden. Doch statistisch betrachtet dürfte es tatsächlich einen solchen Zusammenhang geben: "CEOs und Top-Manager haben in der Regel keine Zeit, um mit Wissenschaftlern Tests zu absolvieren", sagt Elaine Wong. "Wir mussten unsere Untersuchungen also indirekt durchführen."

Die Studie

"A face only an investor could love: CEO facial structure predicts firm financial performance", Psychological Science.

Die Psychologin von der University of Wisconsin-Milwaukee analysierte mit ihren Kollegen zunächst die Briefe von Aktionären, durchforstete die Lebensläufe von Firmenchefs und verglich die Ergebnisse mit dem wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen. Wong und ihr Team entschieden sich auch, die Gesichter der Firmenchefs genauer unter die Lupe zu nehmen. Das mag auf den ersten Blick ungewöhnlich klingen, die Entscheidung steht aber durchaus in psychologischer Forschungstradition.

Denn Studien zufolge ist das Breiten-Längenverhältnis von Gesichtern ein Maß für Aggression. Eishockeyspieler mit breiten Gesichtern kassieren etwa Statistiken zufolge öfter Zeitstrafen für brutales Spiel als ihre Vereinskollegen. Männer mit breiten Gesichtern fühlen sich laut Studien tendenziell mächtiger, wirken jedoch auf Dritte meist nicht besonders vertrauenserweckend.

Großes Ego, großes Bild

"Die meisten dieser Eigenschaften sind eher negativ", sagt Wong. "Doch Macht kann auch positive Effekte haben." Denn Menschen, die sich selbst als einflussreich empfinden, tendierten dazu, in beruflicher Hinsicht ans Große Ganze zu denken, anstatt sich in Details zu verlieren. "The big picture", wie das im Businesstalk heißt.

Wong und Co. untersuchten im Rahmen ihrer Studie die Fotos von 55 männlichen CEOs, deren Firmen in der Unternehmensrangliste Fortune Global 500 angeführt worden waren. Ausschließlich männliche Gesichter deswegen, weil bei Frauen bislang kein Zusammenhang zwischen Gesichtsform und Verhalten nachgewiesen wurde. "Unseren Untersuchungen zufolge sind die Firmenbilanzen von Chefs mit breiten Gesichtern signifikant besser", sagt Wong.

Als Anlegertipp taugt dieses Ergebnis allerdings kaum. Denn wie Wong in ihrer Studie schreibt, ist die Gesichtsform des Chefs nur dann ein wichtiger Faktor, wenn die Firmenphilosophie eine simple ist. Unternehmen, die strategisch statt reiner Schwarz-Weiß-Bilder auch Grautöne zulassen, sind davon viel weniger beeinflusst. Vermutliche Ursache: der unterschiedliche Stellenwert des Autoritätsdenkens.

Robert Czepel, science.ORF.at

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