Standort: science.ORF.at / Meldung: "Mehr soziale Kompetenz durch Hundetraining"

Baby und Hund blicken sich an

Mehr soziale Kompetenz durch Hundetraining

Kontakt mit Hunden kann die Fähigkeit verbessern, Emotionen zu erkennen. Wie eine interdisziplinäre Forschungsgruppe unter der Leitung von Psychologen der Uni Wien zeigte, waren Teilnehmer nach einem Training mit Hunden besser in der Lage, Wut, Angst und Ekel in menschlichen Gesichtern zu identifizieren.

Emotionen 29.09.2011

"Neue Perspektiven für therapeutische Ansätze" sieht die Psychologin Birgit Stetina in den Ergebnissen - denn Emotionserkennung ist für die zwischenmenschliche Kommunikation zentral.

Wut, Angst und Ekel besser erkannt

66 Kinder und Erwachsene wurden von den Forscher mittels der "Vienna Emotion Recognition Tasks" getestet - ein Computerprogramm, das Gesichter mit Ausdrücken der sechs Basisemotionen (Freude, Wut, Trauer, Ekel, Angst und Überraschung) vorgibt. Nach der ersten Testrunde wurde über zwölf Wochen ein Hundetraining absolviert, bei dem die Teilnehmer einmal wöchentlich mit eigens für therapeutischen Kontakt ausgebildeten Hunden zusammentrafen. "Dabei sollte vor allem darauf geachtet werden, wie es dem Hund geht", so die Jungforscherin Lisa Maria Glenk, die ihre Doktorarbeit an der Veterinärmedizinischen Universität Wien unter anderem dem Verhalten von Hunden in tiergestützter Therapie widmet, im Gespräch mit der APA.

Kinder als auch Erwachsene verbesserten in der zweiten Testrunde ihre Emotionserkennung für Wut, Angst und Ekel. "Wenn man sich darauf konzentrieren muss, wie es einem Lebewesen geht, mit dem man nicht sprechen kann, überträgt sich das auch auf die menschliche non-verbale Kommunikation", erläuterte Glenk. Dass sich nur die Erkennung von Wut, Angst und Ekel verbesserte, erklärt die Forscherin damit, dass die Werte für Freude, Trauer und Überraschung von Anfang an sehr hoch waren. Kinder konnten nach dem Training allerdings auch neutrale Gesichter leichter identifizieren.

Therapeutischer Ansatz

Ziel vieler psychotherapeutischer Ansätze sei es, Kompetenzen wie die Erkennung von Emotionen zu fördern. "Die Möglichkeit über Mensch-Hund-Kontakte positive Effekte in der Mensch-Mensch-Kommunikation zu erzielen, schafft neue Perspektiven für therapeutische Ansätze", so die Wissenschaftlerin.

Glenk ging mit einer über diese Arbeit verfassten Aussendung bei dem vom Verein "dialog-gentechnik" in Kooperation mit APA-OTS organisierten Wettbewerb "WissenschafterInnen schreiben Presseaussendungen 2011" als Siegerin hervor. Die Gewinner wurden gestern Abend bei der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Molekulare Biowissenschaften und Biotechnologie in Salzburg geehrt. Der Wettbewerb soll junge Biowissenschafter motivieren, ihre Forschungsarbeiten der Öffentlichkeit vorzustellen.

science.ORF.at/APA

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