Standort: science.ORF.at / Meldung: "Physiknobelpreis für Supernova-Forscher"

Eine Supernova (Krebsnebel)

Physiknobelpreis für Supernova-Forscher

Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr an Saul Perlmutter (USA), Brian P. Schmidt (USA und Australien) und Adam G. Riess (USA) für die Entdeckung der beschleunigten Ausbreitung des Universums durch Beobachtung entfernter Supernovae.

Nobelpreise 2011 04.10.2011

"Sie haben mehrere Dutzend dieser gewaltigen Sternexplosionen untersucht und dadurch unser kosmologisches Wissen erschüttert", teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm mit.

Die Auszeichnung ist auch heuer wieder mit zehn Millionen Kronen (1,1 Mio. Euro) dotiert und wird am 10. Dezember, dem Todestag des 1896 gestorbenen Preisstifters, verliehen. Die eine Hälfte des Preises geht an Perlmutter, die andere teilen sich Schmidt und Riess.

Zwei Teams, ein Ergebnis

Die drei Physiknobelpreisträger 2011: Saul Perlmutter, Brian Schmidt und Adam Riess

epa

Saul Perlmutter (links) kam 1959 in Champaign-Urbana (US-Bundesstaat Illinois) auf die Welt. Der Astrophysiker arbeitet am Supernova Cosmology Project der University of California in Berkeley. Der vielfach ausgezeichnete 44 Jahre alte Brian Schmidt (Mitte) wurde in Missoula/Montana geboren und arbeitet heute an der Australischen National-Universität in Weston Creek. Schmidt hat sowohl die US-amerikanische als auch die australische Staatsbürgerschaft. Adam Riess (rechts) kam 1969 in der US-Hauptstadt Washington zur Welt. Er forscht an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore.

Ö1-Sendungshinweis:

Über die Nobelpreise 2011 berichten auch die Ö1-Journale.

Links:

Stärkere Teleskope und schnellere Computer ermöglichten es den Physikern im Lauf der 1990er Jahre, die am weitesten von der Erde entfernten Supernovae ausfindig zu machen. Dabei konzentrierten sich die Teams auf eine spezielle Art von Supernovae der Kategorie Ia. Das sind alte, vergleichsweise kleine Sterne am Ende ihrer Lebenszeit. Sie sind so massereich wie die Sonne, allerdings so klein wie die Erde. Eine einzige solche Supernova kann so viel Licht erzeugen wie eine gesamte Galaxie.

Zur Überraschung der Forscher wurde bei mehr als 50 weit entfernten Supernovae allerdings eine wesentlich schwächere Lichtemission beobachtet als erwartet. Die Folgerung, zu der beide Teams kamen: Die Entfernung zwischen Supernova und Erde hat sich vergrößert, was nur durch eine sich ständig beschleunigende Ausdehnung des Universums erklärbar ist. Für die Zukunft des Alls hat das dramatische Konsequenzen: Ein sich beschleunigt ausdehnender Kosmos bedeutet, dass sich die Objekte immer weiter voneinander entfernen, das Universum kühlt immer mehr ab und friert ein.

Führte zur Annahme der Dunklen Energie

Wird sich das All wirklich nie mehr zusammenziehen? "Wir sind ziemlich sicher, dass sich das Universum ewig ausdehnt, aber nicht sicher, dass es sich ewig beschleunigt", erläuterte Lars Brink vom Nobelkomitee.

Als Ursache der Ausdehnung sehen die Physiker derzeit die Dunkle Energie im All an, die etwa zwei Drittel des Universums ausmachen soll, bisher aber noch nicht beschrieben werden kann. Diese sei "ein Rätsel, das bisher noch keiner lösen konnte", schreibt die Stiftung.

Albert Einstein hatte in seiner Allgemeinen Relativitätstheorie schon 1915 vorhergesagt, dass sich das Universum entweder ausdehnt oder zusammenzieht. Er stellte die Kosmische Konstante auf, die er später als größte Eselei bezeichnet haben soll. Nach den Ergebnissen der diesjährigen Nobelpreisträger könne man jedoch sagen, dass Einsteins Konstante brillant war, schreibt die Nobelstiftung.

"Überrascht wie von Forschungsergebnissen"

"Ich bin von dem Preis völlig überrascht", sagte Schmidt in einer ersten Reaktion. "Aber wir waren auch über unser Forschungsergebnis selbst völlig perplex." In einem Telefonat mit dem schwedischen Fernsehsender SVT sagte er, er fühle sich "ein wenig wie in dem Moment, als meine Kinder geboren wurden". Er habe "weiche Knie" und sei "wirklich aufgeregt". Vor allem mit Riess stehe er bei seiner Forschung nahezu täglich in persönlichem Kontakt. Die Entdeckung der beschleunigten Ausweitung des Universums nannte er "zu verrückt, um wahr zu sein".

2010 für "Wunderstoff" Graphen

Im Vorjahr ging der Nobelpreis für Physik an die beiden an der University of Manchester (Großbritannien) tätigen Wissenschaftler Andre Geim und Konstantin Novoselow. Sie wurden für ihre bahnbrechenden Experimente mit dem zweidimensionalen Material Graphen geehrt, eine besondere Form des Kohlenstoffs, die ob ihrer besonderen Eigenschaften als "Wundermaterial" gilt.

science.ORF.at/dpa/Reuters

Die Nobelpreise 2011:

Mehr zu den Physiknobelpreisen der vergangenen Jahre: