Standort: science.ORF.at / Meldung: "Pille macht sexuell unzufrieden"

Ein Mann und eine Frau liegen im Bett, man sieht nur ihre Füße

Pille macht sexuell unzufrieden

Die Antibabypille verändert einer Studie zufolge das Wahlverhalten bei der Partnersuche. Sie macht Frauen in späteren Beziehungen tendenziell sexuell unzufrieden, sorgt aber für längere Beziehungsdauer.

Partnerwahl 12.10.2011

Die Pille gaukelt dem Körper durch künstliche Hormonsignale eine Schwangerschaft vor - und verhindert dadurch eine solche. Wie Forschungen der letzten Jahre zeigen, bleibt der hormonelle Eingriff nicht ohne Folgen im Zwischenmenschlichen.

Der Grund: Die Antibabypille ebnet die natürlichen Schwankungen der Periode ein oder reduziert sie zumindest. Und diese sind normalerweise an parallel gerichtete Partnerpräferenzen der Frau gekoppelt. Kurz gesagt: Während der fruchtbaren Tage zählen eher die guten Gene, in der prämenstruellen Phase (die hormonell der frühen Schwangerschaft ähnelt) eher die Versorgerqualitäten der Männer.

"Gute und eine schlechte Nachricht"

Die Studie

"Relationship satisfaction and outcome in women who meet their partner while using oral contraception", Proceedings of the Royal Society: B (doi: 10.1098/rspb.2011.1647).

Labortests zeigen, dass die Pille weibliche Präferenzen tatsächlich in Richtung Versorger-Typus verschieben könnte, doch im wirklichen Leben haben sich das Forscher noch nicht angesehen. Das hat nun Craig Roberts nachgeholt. Der Psychologe von der University of Stirling befragte mehr als 2.500 Mütter zu Beziehungs- und Familienthemen und fand im Datenwust ähnliche Zusammenhänge.

Jene Frauen, die den Vater ihres ersten Kindes "auf Pille" kennengelernt hatten, fanden ihn später weniger attraktiv und waren auch in sexueller Hinsicht weniger befriedigt. Umgekehrt führte der Hormoneinfluss während der Wahlphase zu einer größeren Zufriedenheit in anderen (nicht-sexuellen) Bereichen der Partnerschaft, was die Beziehungen im Schnitt um zwei Jahre verlängerte.

Allerdings: Wenn es dennoch zu einer Trennung kam, dann wurde sie eher von der Frau initiiert - was wiederum an der sexuellen Unzufriedenheit gelegen haben mag. "Man könnte sagen, es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht für Frauen, die ihre Partner kennenlernen und dabei die Pille nehmen", sagt Roberts. "Die Effekte scheinen einander zu kompensieren."

Drum prüfe ohne Pille

Ö1-Sendungshinweis

Über diese Studie berichtet auch die Sendung "Wissen aktuell": Mittwoch, 12. Oktober 2011, 13:55 Uhr

Die Effekte sind freilich nur statistischer Natur: Wer mit der Pille verhütet, wird wohl nicht übergangslos vom Typus Steinzeitmacho zum Modell Teddybär überwechseln.

Was sich verändert, liegt eher im Unbewussten, etwa in der Wahrnehmung des Körpergeruches. Bisherige Studien haben gezeigt, dass männlicher Schweiß Auskunft über die Natur gewisser Immungene gibt. Und die Kombination weiblicher und männlicher Immungene ist umso günstiger für den Nachwuchs, je größer die genetische Vielfalt ist. Frauen tendieren während fruchtbarer Tage eher zu genetisch unähnlichen Partnern und folgen damit dem Primat der Evolutionsbiologie.

Während der übrigen Tage spielt die Genetik keine so große Rolle, typische Testosteron-Signale wie etwa kantige Gesichter verlieren während dieser Zeit ebenfalls an Attraktivität. Wobei auch hier gilt: alles Statistik. Wenig Testosteron im Blut macht noch keinen guten Vater. Und flottierende Botenstoffe sind für Rabenväter wohl auch keine glaubwürdige Ausrede.

Roberts jedenfalls empfiehlt: "Wenn eine Frau heiraten will, sollte sie einige Zeit auf eine nicht-hormonelle Verhütungsmethode umsteigen. Das könnte ein Weg sein festzustellen, ob sie ihren Partner auch nach der Heirat attraktiv findet."

Robert Czepel, science.ORF.at

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