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Der Kopf von Ötzi

Der Eismann rastete, aß und wurde getötet

"Er hat gerastet und ein ausgiebiges Mahl eingenommen. Bei dieser Rast ist er von einem Angreifer überrascht, erschossen und liegen gelassen worden." So beschreiben Wissenschaftler die letzte Stunde der vor über 20 Jahren entdeckten und inzwischen weltbekannten Gletschermumie "Ötzi".

Ötzis letzte Stunde 24.10.2011

Am vergangenen Wochenende trafen sich über 1.000 Forscher aus aller Welt beim zweiten Mumienkongress in Bozen in Südtirol. Dabei wurde auch die letzte Lebensstunde des Eismannes rekonstruiert.

Kein Hirte

Damit wurde die Theorie über eine mögliche Grabstätte auf 3.200 Meter Seehöhe endgültig ausgeschlossen. "Die Haltung der Mumie mit dem Arm schräg nach oben und das Fehlen von Steinansammlungen oder grabähnlichen Arrangements spricht gegen die Begräbnistheorie", führte Albert Zink, Leiter des Bozner EURAC-Instituts für Mumien und den Iceman, aus.

Weshalb sich Ötzi auf dieser Höhe im Bereich des Tisenjochs in den Ötztaler Alpen aufhielt, wurde nicht thematisiert, allerdings wurde die seit 1996 existierende Meinung, dass Ötzi ein Hirte war, widerlegt. Archäologischen und botanischen Erkenntnissen zufolge, habe es in der Kupferzeit noch keine saisonale Wanderviehwirtschaft gegeben. Laut Wissenschaftlern begann diese erst in der Bronzezeit ab 1.500 v. Chr.

Mann aus dem Eis:

Am 19. September jährte sich der Fund der Gletschermumie im Südtiroler Teil der Ötztaler Alpen zum 20. Mal. Das deutsche Ehepaar Erika und Helmut Simon stieß damals in 3.210 Metern Höhe im Bereich des Tisenjochs auf die 5.300 Jahre alte Leiche aus der Jungsteinzeit. Seither beschäftigt der Mann aus dem Eis namens Ötzi Forschung und Öffentlichkeit.

Starb im Frühjahr

Außerdem habe sich der Eismann nicht auf der Flucht befunden. Magenproben belegten eine ausgiebige Mahlzeit aus Steinbockfleisch, Getreidekörnern, Blättern, Äpfel und auch Fliegenflügel 30 bis 120 Minuten vor seinem Tod. Weiters fand der Botaniker Klaus Oeggl Pollen der Hopfenbuche in Ötzis Magen. Demnach starb der Eismann im Frühjahr und nicht im Herbst.

Bereits vergangenen Freitag war bekanntgeworden, dass Ötzi sich kurz vor seinem Tod ein stark blutendes Cut mit einer Fraktur im Bereich der rechten Augenhöhle kombiniert mit einer Einblutung im Augapfel (Augapfelprellung) zugezogen hatte. Nanotechnologischen Untersuchungen einer Gehirnprobe zufolge erlitt er tatsächlich ein Schädel-Hirn-Trauma.

"Dieses allein hätte bereits tödlich sein können, hat sicherlich aber neben der Schussverletzung zum Tode beigetragen", teilten Wissenschaftler der Ludwig-Maximilian Universität in München ihre Erkenntnisse mit. Ungeklärt blieb die Frage, ob sich der Eismann das Trauma durch einen Sturz oder durch einen Schlag auf den Kopf zugezogen hatte. Der Großteil der Erkenntnisse ging auf Auswertungen von Gewebeproben aus Magen und Gehirn zurück.

science.ORF.at/APA

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