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Steinzeitliche Darstellung eines gescheckten Pferdes

In der Steinzeit gab es wirklich Schecken

Die gescheckten Pferde, die in einigen steinzeitlichen Höhlen gemalt wurden, sind einer Studie zufolge keine Fantasiegebilde. Genetische Untersuchungen deutscher Forscher haben ergeben, dass in Europa bereits vor mehreren Zehntausend Jahren Pferde mit "Leopardenmuster" existierten.

Zoologie 08.11.2011

Die Gruppe um Arne Ludwig vom Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung fand bei fossilen Überresten von insgesamt 31 Pferden bei sechs Tieren eine genetische Mutation. Diese ist bei modernen Hauspferden für das leopardenähnliche Punktmuster verantwortlich, wie es etwa bei den Rassen Knabstrupper, Appaloosa und Noriker vorkommt.

Allerdings konnten die Forscher die genetische Variation nur bei Funden aus West- und Osteuropa, nicht aber bei Fossilien aus Sibirien und von der Iberischen Halbinsel nachweisen.

Die Studie:

"Genotypes of pre-domestic horses match phenotypes painted in Paleolithic works of cave art" ist in den "Proceedings" der US-amerikanischen Akademie der Wissenschaften erschienen.

Ähnelt prähistorischen Höhlenmalereien

Gescheckte Pferde, die in der Höhle von Pech Merle in Frankreich gefunden wurden. Die Darstellung ist vier Meter lang und rund 1,5 Meter hoch. Sie sind rund 25.000 Jahre alt.

Photo by P. Cabrol, Center for Prehistory of Pech Merle, Cabrerets, France

Darstellung von gescheckten Pferden, die in der Höhle von Pech-Merle in Frankreich gefunden wurden. Sie ist rund vier Meter lang und 1,5 Meter hoch und wurde auf ein Alter von 25.000 Jahren datiert.

Das steht im Einklang mit zahlreichen prähistorischen Höhlenmalereien in Frankreich. So sind vor etwa 25.000 Jahren die Bilder von getüpfelten Pferden in der Tropfsteinhöhle von Pech-Merle im Südwesten Frankreichs entstanden. Die DNA-Ergebnisse seien nun der erste Nachweis dafür, dass neben schwarzen und braunen Pferden auch diese gepunkteten Tiere tatsächlich existierten. Demnach reflektieren die Zeichnungen vermutlich die reale Umgebung der Menschen (Bilder von Pech-Merl).

Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass es sich eher um imaginäre Figuren aus der Hand von Schamanen handelt, die womöglich symbolischen Charakter hatten. Dafür sprach auch die bisher gehegte These, dass derartige Farbvariationen erst im Laufe der Domestikation des Pferdes entstanden seien.

Das widerlegen nun die Ergebnisse der Berliner Forscher. Sie vermuten, dass die Mutation den Pferden einen Vorteil gebracht hat: Die Tiere waren so in schneereichen Gebieten womöglich besser getarnt. Ob es eine direkte genetische Abstammung zu heute lebenden Pferden gibt, haben die Forscher nicht untersucht. Das sei aber auch sinnlos, meinte Arne Ludwig gegenüber science.ORF.at, da die heutigen Rassen nicht älter als 200 bis 300 Jahre alt sind.

science.ORF.at/dpa

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