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Der Stein mit der eiszeitlichen Malerei.

Älteste Malerei Mitteleuropas entdeckt

Am Anfang der Malerei in Mitteleuropa standen anscheinend ein paar rot-braune Punkte - zumindest zeigen das die nun präsentierten Funde auf der Schwäbischen Alb in Deutschland. Laut Archäologen handelt es sich dabei um die ältesten bisher bekannten Überreste von Malerei in Mitteleuropa.

Archäologie 08.11.2011

Die vier bemalten Steine aus der Höhle "Hohler Fels" bei Schelklingen seien rund 15.000 Jahre alt, sagte Archäologe Nicholas Conard am Dienstag in Tübingen. Bislang habe es in ganz Mitteleuropa keine Anhaltspunkte dafür gegeben, dass die Menschen schon in der späten Altsteinzeit gemalt hätten.

Rot-braune Punkte

Der Stein mit der eiszeitlichen Malerei.

EPA

Der Stein mit der eiszeitlichen Malerei.

Das Bild selbst gibt den Experten allerdings noch Rätsel auf, denn die Eiszeit-Menschen haben lediglich rot-braune Punkte gemalt. Von diesem Donnerstag an sind die vier bemalten Steine bereits in einer Sonderausstellung im Museum der Universität Tübingen zu sehen.

Der "Hohle Fels" hatte in den vergangenen Jahren immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Das Team um den Tübinger Archäologen hat dort die ältesten bekannten Eiszeitfiguren der Welt gefunden - zuletzt eine Venus-Figur und mehrere Flöten, die von den ersten modernen Menschen in Europa vor rund 40.000 Jahren hergestellt wurden.

Unklare Bedeutung

Hinweise darauf, dass die Menschen so früh auch schon gemalt haben, gab es bisher in ganz Mitteleuropa allerdings nicht. Lediglich weiter im Westen, vor allem in Frankreich und Spanien, fanden sich Überreste von Höhlenmalerei.

Die Farbe sei eine Mischung aus Hämatit und Rötel, die dann mit kalkhaltigen Wassertropfen aus den Höhlen angerührt wurde, erklärte Grabungstechnikerin Maria Malina. "Diese Punkte sind alles andere als ein Zufall. Es ist ganz klar, dass sie einen relevanten Inhalt haben", betonte Conard. Welchen, darüber grübeln die Experten aber noch.

Im damals weit verbreiteten Schamanismus könnten sie eine religiöse Bedeutung gehabt haben. Oder sie waren womöglich Teil eines eiszeitlichen Menstruationskalenders - ein Punkt für jeden Tag.

science.ORF.at/APA/dpa

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