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Verkehrsschild Umweltzone

Umweltzonen gegen Feinstaub

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) fordert die rasche Einführung von Umweltzonen in österreichischen Städten, die von Feinstaub überdurchschnittlich belastet sind. Es gelte, dem vorwiegend durch Straßenverkehr verursachten Dieselruß den Kampf anzusagen, wie das schon in vielen europäischen Städten erfolgt sei.

Umwelt 09.11.2011

Dieselruß ist laut VCÖ in seiner Langzeitwirkung nämlich deutlich schädlicher als bisher angenommen. Punkto Umweltzonen, in die nur entsprechend gekennzeichnete Fahrzeuge einfahren dürfen, haben übrigens Italien (102) und Deutschland (48) europaweit die Nase deutlich vorne.

Hauptproblem Verkehr

Dass Umweltzonen die Dieselruß-Emissionen stark verringern können, beweise das Beispiel Berlin. Dort habe man den Schadstoffausstoß um die Hälfte reduzieren können. Die Notwendigkeit von Umweltzonen in Österreich unterstreiche auch die Tatsache, dass es bereits in mehr als 170 europäischen Städten solche Zonen gibt.

In Wien etwa sei in den vergangenen sieben Tagen eine zu hohe Feinstaubbelastung registriert worden. "Heuer wurde in Österreich bei mittlerweile 48 Messstellen der Feinstaub-Jahresgrenzwert überschritten. Mit Ausnahme Vorarlbergs sind alle Bundesländer betroffen", sagte VCÖ-Sprecherin Ulla Rasmussen. Dabei gelte: Feinstaub ist nicht gleich Feinstaub. Am gefährlichsten seien Dieselrußpartikel, weil diese krebserregend sind und massive Lungenschäden verursachen können.

"Die Luftverschmutzung ist für uns eine große Herausforderung", betonte Sylvia Hartl, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie. "Waren früher die Industrieanlagen das größte Problem, ist es heute der Verkehr mit seinen bodennahen Emissionen. Gefährlich sind besonders die ultrafeinen Partikel, die in ihrer Langzeitwirkung extreme Lungenschäden verursachen können." Kinder seien diesbezüglich besonders gefährdet, weil ihre Atemfrequenz höher ist und sie sich im Wachstum befinden.

Akuter Handlungsbedarf

Der deutsche Verkehrsexperte Werner Reh wies darauf hin, dass Dieselruß massiv zur Klimaerwärmung beitrage. Durch den Wind gelangten die Rußpartikel aus Mitteleuropa bis in die Arktis und lagern sich dort auf der Eisoberfläche ab. Dies verstärke die Absorption von Sonnenlicht und beschleunige das Abschmelzen von Eis.

Auch die Grüne Vizebürgermeisterin der Feinstaub-Hochburg Graz, Lisa Rücker, sprach sich für Umweltzonen aus. "Für mich hat die Gesundheit der Menschen absoluten Vorrang. Die internationalen Erfahrungen zeigen, dass Umweltzonen die Feinstaubbelastung verringern. Ich appelliere an die Zuständigen im Land, im Interesse der Gesundheit der Grazer Bevölkerung grünes Licht für die Einführung der Umweltzone zu geben", so Rücker.

Rasmussen sieht jedenfalls in Österreich akuten Handlungsbedarf. "In Österreich ist das Dieselruß-Problem noch größer als in anderen Staaten, weil es hier viel Lkw-Verkehr gibt und der Anteil der Diesel-Pkw besonders hoch ist."

science.ORF.at/APA

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