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Der Kopf von Ötzi

Mikroben aus "Ötzis" Körper

Die Gletschermumie "Ötzi" wird von Wiener Wissenschaftern als eine Art biologische Zeitmaschine genutzt. Sie untersuchen nun uralte Bakterien, die aus dem Körper des Eismannes stammen.

Analyse 10.11.2011

Die Forscher erhoffen sich auf diesem Weg Aufschlüsse darüber, welche Bakterien sich vor 5.300 Jahren in Ötzis Organismus befanden und wie sie sich seither verändert haben.

Rekonstruktion am Computer

Die modernen Methoden der Bioinformatik erlauben es mittlerweile, auch die Gene von Mikroorganismen zu analysieren, die im vergangenen Herbst aus Ötzis Beckenknochen und Magen entnommen wurden. Für die Analyse der Genomsequenzen müssen sich die Bioinformatiker aber durch enorme Datenmengen kämpfen. Am Department für Computational Systems Biology der Fakultät für Lebenswissenschaften verfüge man "über die nötige Computerinfrastruktur und die geeigneten Methoden, um Sequenzen selbst stark zerfallener DNA noch analysieren zu können", so der Bioinformatiker Thomas Rattei.

Die Schwierigkeit bestehe vor allem darin, festzustellen, welche der für die Analyse in Frage kommenden Bakterien ursprünglich aus dem Organismus stammen und welche den Körper des Eismanns erst nach dessen Tod besiedelt haben. Durch die Bestimmung der "alten Bakterien" wollen die Forscher dann eine Brücke in die Gegenwart schlagen.

Rattei und sein Team erhoffen sich Erkenntnisse darüber, wie sich das Erbgut bestimmter Bakterien in mehr als fünf Jahrtausenden verändert hat. Man könne dann Rückschlüsse darauf ziehen, wie sich beispielsweise Krankheitserreger seither an den Menschen angepasst haben.

"Wir hoffen, dass wir durch das bessere Verständnis der kupferzeitlichen Mikrowelt die Anpassung der Erreger an den Menschen verstehen und damit letztlich auch zum Fortschritt der heutigen Bakteriologie beitragen können", so Rattei. Neben Krankheitserregern interessieren sich die Wissenschaftler aber auch für "gute" Mikroorganismen, die für den Menschen überlebenswichtig sind, da sie im Darm, auf den Schleimhäuten und auf der Haut wichtige Dienste leisten.

science.ORF.at/APA

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