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Eine Listspinne beim Tragen eines Brautgeschenks

Betrügerische Spinnenmännchen

Die Spinnenart Pisaura mirabilis heißt auf Deutsch nicht zu Unrecht List- oder Brautgeschenkspinne: Die Männchen bringen den Weibchen Geschenke, um die Chancen auf Paarung zu erhöhen. Dabei schummeln sie aber häufig, wie eine aktuelle Studie zeigt - werden dabei aber auch schnell ertappt.

Zoologie 14.11.2011

Statt einer leckeren Fliege bringen die Männchen etwa einen Samen oder ein schon ausgelutschtes Insekt mit. In solchen Fällen komme es zwar zur Paarung, diese werde von den Weibchen aber vorschnell beendet, berichtet ein Forscherteam um die Biologin Maria J. Albo von der Universität Aarhus.

Die Studie:

"Worthless donations: male deception and female counter play in a nuptial gift-giving spider" erscheint im Fachblatt "BMC Evolutionary Biology".

Mitbringen von Brautgeschenken

Die Wissenschaftler hatten junge Listspinnen eingesammelt und im Labor großgezogen. Bei dieser Art ist es üblich, dass die Männchen der Dame ihrer Wahl ein in Spinnenseide eingewickeltes Geschenk offerieren - meist eine Fliege oder ein anderes proteinreiches Insekt.

Manche Männchen allerdings schleppen nur einen Pflanzensamen an - oder übergeben die hübsch eingewickelte Hülle eines Insekts, das sie zuvor selbst ausgelutscht haben. Die Forscher analysierten nun, wie solche Mogelpackungen bei den Weibchen ankommen.

Paarungszeit hängt von Geschenk ab

Sie statteten einige der Männchen im Labor mit proteinreichen Leckerbissen aus, andere bekamen nur einen hohlen Blütenkopf, ein Wollebäuschchen, eine bereits ausgelutschte Hausfliege - oder gar nichts. Dann wurden die Spinnen auf die Damenwelt losgelassen (Video des Vorgangs).

Das Ergebnis: Einigen der Männchen war es offenbar unangenehm, mit einer Täuschung aufzuwarten - sie zogen lieber ohne Präsent los. Das allerdings hatte durchaus Nachteile: Generell waren die Männchen erfolgreicher, die überhaupt ein Geschenk vorweisen konnten.

Wie lange die Spinnen ihr Sperma übertragen durften, hing aber klar von der Qualität ihres Mitbringsels ab. Hatten die Weibchen ihr Seidenpäckchen aufgeschnürt und fanden keinen proteinreichen Snack vor, dauerte die Begattung kürzer als bei wertvollen Geschenken. Allerdings: Der Fortpflanzungserfolg der Männchen wurde dadurch kaum geschmälert, berichten die Forscher.

science.ORF.at/APA/dpa

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