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Zwei junge Schimpansen beim Spielen

Schimpansen spielen wie Menschenkinder

Für viele Säugetiere, wie auch für Menschen, ist Spielen ein wichtiger Teil der Entwicklung - eine Vorbereitung auf das "echte" Leben. Eine Studie an Schimpansen zeigt nun, dass das Spielverhalten der Affenkinder in vielem jenem von Menschkindern gleicht.

Verhaltensforschung 17.11.2011

Spielwiese des Lebens

Fragen Sie Kinder, ist Spielen vor allem Spaß; es dient also keinem unmittelbaren Zweck. Fragen Sie einen Entwicklungspsychologen, ist es natürlich vielmehr als das. Denn im Spiel "erarbeiten" sich Kinder Schritt für Schritt die Welt, von simplen motorischen Fähigkeiten bis zur sozialen Handlungskompetenz lässt sich dabei fast alles trainieren.

Nicht nur Menschen, auch einige andere Säugetiere wie z.B. Menschenaffen erlernen Fertigkeiten vor allem spielerisch. Dazu verwenden sie Objekte, hüpfen, springen oder klettern, allein ebenso wie in Gruppen, und erproben so gleichzeitig ihre soziale Rolle.

Der erste Partner bei sozialen Spielen ist die Mutter oder eine andere Bezugsperson. Das berühmte "Guck-Guck-Spiel" wird etwa von jungen Menschenaffen genauso gern wie von Menschenkindern gespielt. Je größer der Nachwuchs wird, umso wichtiger wird das Spiel in der Gruppe als soziales Experimentierfeld.

Am liebsten mit Gleichaltrigen

In ihrer Studie haben die Forscher um Giada Cordoni von der Universität Pisa das Spielverhalten von heranwachsenden Schimpansen in einem französischen und einem niederländischen Zoo untersucht und dieses anschließend mit jenem von Kindern verglichen.

Dabei konnten sie beobachten, dass sich das spielerische Verhalten der Tiere im Lauf des Größerwerdens - vermutlich wie beim Menschen abhängig von Entwicklungsphasen - immer wieder verändert.

So spielen etwa nur ganz junge Affen noch recht häufig alleine - ähnlich wie Kleinkinder. Grundsätzlich spielen aber alle lieber mit anderen, am allerliebsten mit Gleichaltrigen. Diese Präferenz kennt man auch von Kindern, Studien zufolge ist sie bei diesen bereits im Alter von neun Monaten feststellbar.

Reifere Spiele

Die Art und Weise, wie die Kinder miteinander spielen, ändert sich den Autoren zufolge jedoch mit dem Alter. Allem Anschein nach dient Herumtollen und spielerisches Raufen in den ersten Jahren vor allem als Training für motorische Fertigkeiten. Später werden diese Spiele oft kämpferischer, vermutlich bereits eine Vorbereitung für spätere ernste Rangkämpfe. Auch die Komplexität der Spiele nehme beim Älterwerden genau wie beim Menschen zu.

Selbst bei den Gesichtsausdrücken gibt es Parallelen: Menschen wie Schimpansen verwenden im Spiel Grimassen oder sie lachen, um mit den anderen in Kontakt zu treten oder die Beziehung zu den Spielgefährten zu festigen. Aber auch wenn sie alleine spielen, schneiden die Tiere Grimassen, vermutlich ein Ausdruck des inneren Befindens. Das lege nahe, dass sie sich ihrer Selbst bewusst sind und über sich reflektieren.

Das Spielverhalten der Tiere lasse vermuten, dass es zwischen Schimpansen und Menschen mehr kognitive Überlappungen und Entwicklungsparallelen als mit anderen Primaten gibt.

Eva Obermüller, science.ORF.at, dpa

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