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Trächtiges Definweibchen

Bauchbremse unter Wasser

Mit zunehmender Leibesfülle haben trächtige Delphinweibchen mit dem Strömungswiderstand im Wasser zu kämpfen. Eine US-amerikanische Zoologin hat den Bremseffekt nun quantifiziert.

Schwangerschaft 24.11.2011

Das Kipp-Problem

Biomechanisch betrachtet ist die Schwangerschaft eine Gemeinheit der Natur. Der weibliche Bauchumfang stößt innerhalb weniger Monate in Dimensionen vor, die ansonsten nur männlichen Abdominalregionen bei konsequentem Bierzuspruch vorbehalten bleiben.

Die Proportionsverrückung hat Anthropologen immerhin zu der Frage geführt, warum schwangere Frauen nicht umkippen. Ihre 2009 mit dem Ig-Nobelpreis ausgezeichnete Antwort: Sie besitzen eine ausgeprägte Kurvenform im unteren Rücken. Daher können sie den oberen Teil des Rumpfs besser nach hinten schieben - und finden trotz Bauches die richtige Balance.

Schwimmen mit Bauch

Umkippen können trächtige Meeressäuger zwar nicht, dafür haben sie mit anderen Schwierigkeiten zu kämpfen, wie nun Shawn Noren im "Journal of Experimental Biology" berichtet. Die Weibchen des Großen Tümmlers haben mit Schwangerschaftsbauch eine 51 Prozent größere Frontalfläche, dementsprechend erhöht sich auch der Strömungswiderstand: Trächtige Weibchen schwimmen deutlich langsamer als normalerweise, nämlich um 62 Prozent.

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Und das werfe, so Noren, ein Ernährungsproblem auf. Denn während der Schwangerschaft bauen die Weibchen Fettreserven auf, um danach beim Säugen davon zehren zu können. Das Fettgewebe benötigt zusätzliche Energie, verschlechtert aber die ohnehin schon eingeschränkte Agilität unter Wasser. Die Delphine reagieren auf diese Situation mit einer Änderung des Schwimmstils: Mangels Beweglichkeit schlagen sie die Schwanzflosse in kleineren Amplituden, erhöhen dafür die Frequenz um 13 Prozent - siehe Video.

Der Konflikt zwischen Stromlinienform und Schwangerschaft ist übrigens nicht auf Säugetiere beschränkt. Wie Forscher im August berichteten, brachten bereits die Pleiosaurier vor 78 Millionen Jahren lebende Junge zur Welt.

Robert Czepel, science.ORF.at

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