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Behandschuhte Hand greift nach Ragweed, um es auzureißen

Wie man Ragweed bekämpft

Die aus Nordamerika eingeschleppte Pflanze Ragweed macht nicht nur Allergikern zu schaffen, sie führt auch zu massiven Ertragsverlusten in der österreichischen Landwirtschaft. In einem Forschungsprojekts wurde untersucht, wie man die Ausbreitung von Ragweed eindämmen und verhindern kann. Erste Ergebnisse liegen nun vor.

Bioinvasoren 25.11.2011

Folgen für Gesundheit und Landwirtschaft

Ragweed (Ambrosia artemisiifolia oder auch Beifußblättriges Traubenkraut genannt) hat sich im vergangenen Jahrzehnt in Österreich rasch ausgebreitet. Allein in den vergangenen fünf Jahren gingen rund 2.500 bestätigte Meldungen ein. Die Pflanze verursacht starke allergische Reaktionen des menschlichen Immunsystems mit hohen Folgekosten für das Gesundheitswesen, aber auch für die Landwirtschaft und die kommunalen Verantwortlichkeiten.

Als Bekämpfungsmaßnahmen werden in der Landwirtschaft nämlich Herbizide eingesetzt, die nicht nur hohe Kosten verursachen, sondern auch ökologisch nachteilige Wirkungen auslösen, erklärte Gerhard Karrer von der Universität für Bodenkultur (Boku). Durch das dreijährige Projekt, an dem sich neben der AGES auch die Boku, die Niederösterreichische Landesakademie, die Universität Salzburg und das Umweltbundesamt beteiligten, konnten nun konkrete Bekämpfungsmaßnahmen entwickelt werden.

Konkrete Bekämpfungsmaßnahmen

Die Ausbreitung von Ragweed erfolgt vor allem entlang der Eisenbahn, an Flüssen sowie an Straßen und hat zwei wesentliche Ursachen: Einerseits können Ragweed-Samen entlang regionaler und internationaler Transitrouten leicht transportiert werden. Besonders auffällig war eine Zunahme der Pflanze an den Autobahnen A1, A2, A4, A8, A9 im steirischen Abschnitt und auf der A11. Andererseits erfolgt in Österreich die übliche Mahd der Straßen-Bankette in einer für Ragweed günstigen Rhythmik, so Karrer.

Daher sollte die erste Mahd so spät wie möglich (Mitte Juli) erfolgen, danach aber alle drei Wochen und noch vor Beginn der Blühphase. Die Ausbreitung entlang der Donau durch Überschwemmungen ist ebenso ein schwierig zu handhabendes Problem, da kein Herbizideinsatz möglich ist und Flächen teilweise schlecht zugänglich sind.

Genauso effektiv ist die Behandlung von Schnittgut in professionellen Kompostierungsanlagen sowie in Biogasanlagen, das vernichtet Ragweed-Samen zu 100 Prozent. Bei Neubaumaßnahmen und Banketterneuerungen in Befallsgebieten kann die Keimung von Ragweed durch die Bepflanzung mit starken Bodendeckern verhindert werden.

Problembewusstsein erhöhen

Vor allem in Ostösterreich kann es aufgrund des für Ragweed günstigen Klimas zu einem größeren Befall kommen, vor allem in den Kulturen Sojabohne, Kürbis und Sonnenblume. Über Erntemaschinen werden die Ragweed-Samen dann verbreitet. Durch eine konsequente Unkrautbekämpfung und die gründliche Reinigung von Erntemaschinen kann eine Weiterverbreitung reduziert werden. Einzelpflanzen sollten immer zur Gänze ausgerissen werden. Ab der Blütezeit sollte dieses Material mittels Verbrennung oder Biomasse-Verwertung vernichtet werden. Durch Ambrosia-Samen in Futtermitteln ist es ebenfalls möglich, dass Ragweed verbreitet wird.

"Die Leute haben oft Probleme, Ragweed zu erkennen. Es wird oft mit Beifuß, Rainfarn oder dem Weißen Gänsefuß verwechselt", sagte Karrer. Informationskampagnen in Österreich könnten das Problembewusstsein erhöhen, meinte der Experten. Das Projekt habe gezeigt, dass Ragweed zwar nicht mehr ausgerottet werden kann, aber die Bekämpfungsmaßnahmen zumindest die negativen Effekte auf die Bevölkerung deutlich verringert werden können.

science.ORF.at/APA

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