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Higgs-Teilchen

Higgs-Boson: Nun wird es ernst!

In der Forschergemeinde der Physiker machen Gerüchte die Runde. Möglicherweise wurde am Kernforschungszentrum CERN das lang gesuchte Higgs-Teilchen entdeckt. Eine Pressekonferenz am Dienstag soll Klarheit bringen.

Gerüchteküche 07.12.2011

Suche nach dem "Gottesteilchen"

Im physikalischen Teilchenzoo wohnen viele Partikel, bereits entdeckte und solche, deren Existenz nur vermutet werden kann. Das prominenteste aus Kategorie zwei ist jenes Teilchen, das die Masse in die Welt bringt. Als Rechengröße ist die Masse eine Standardzutat der physikalischen Theorie, aber bis heute weiß niemand genau, wie sie eigentlich entsteht.

Der britische Physiker Peter Higgs schlug in den 1960er Jahren einen entsprechenden Mechanismus vor, der in Ermangelung starker Teilchenbeschleuniger nicht oder nur unzureichend geprüft werden konnte. Der Large Hadron Collider des CERN sollte nun über ausreichende Energien verfügen, um endlich die letzte Leerstelle im Standardmodell der Teilchenphysik zu füllen.

Habemus Particulam?

Es ist ein bisschen so wie das Warten vor einem Konklave. In der Fachgemeinde herrscht gespannte Ruhe, denn jeder weiß: Eine Antwort muss kommen, egal wie. So gesehen kein Wunder, dass nach einer Ankündigung von CERN-Generaldirektor Rolf-Dieter Heuer gleich mehrere Journalisten und Blogger weißen Rauch aufsteigen sehen. Heuer kündigte für nächsten Dienstag eine Pressekonferenz an, bei der die Leiter der mit der Suche betrauten Teams (benannt nach den Detektoren Atlas und CMS) sprechen werden. Da normalerweise eher Nachwuchsforscher über die neuesten Messungen berichten und nicht die Chefs selbst, wird das als Hinweis gewertet, dass es etwas Wichtiges zu berichten gibt.

Laut einigen Physik-Blogs (etwa viXra und Not Even Wrong) könnten die CERN-Teams ein positives Signal im Energiebereich von 125 Gigaelektronenvolt gefunden haben. Das würde bedeuten, dass das Higgs-Teilchen ungefähr so schwer ist wie zwei Kupferatome. Wenn das zutreffen sollte, würde das noch nicht bedeuten, dass es dabei bleiben muss. Die Messungen müssten statistisch wasserdicht sein, wiederholt und bestätigt werden, ehe sich die naturgemäß vorsichtigen CERN-Forscher getrauen würden, das Higgs-Teilchen endgültig in die Realexistenz zu hieven. Dann allerdings wäre wohl für Peter Higgs, Jahrgang 1929, postwendend der Nobelpreis fällig.

Ian Sample vom britischen Guardian hat kürzlich namhafte Physiker nach ihrer Einschätzung der Lage befragt. Die Antworten fielen wie zu erwarten mal optimistisch, mal pessimistisch, zum Teil auch ziemlich technisch aus. Originell die Replik von Nobelpreisträger Sheldon Glashow. Er antwortete mit einem Limerick: "They said when the collider goes on / Soon they'd see that elusive boson / Very soon we shall hear / Whether Cern finds it this year / But it's something I won't bet very much on."

Robert Czepel, science.ORF.at

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