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Mund von gähnender Angela Merkel

Vor allem die Familie gähnt mit

Gähnen ist ansteckend, doch längst nicht für alle gleich. Italienische Forscher haben belegt, dass die emotionale Nähe zu einem Menschen entscheidend für die unbewusste Nachahmung ist.

Sozialverhalten 08.12.2011

Am häufigsten sei Gähnen deshalb in der Familie ansteckend, danach unter Freunden, dann bei Bekannten - und ganz zum Schluss erst bei Fremden. Damit folgten Gähn-Attacken den Empathie-Mustern bei emotionalen Bindungen, berichten die Wissenschaftler um Elisabetta Palagi von der Universität Pisa.

Emphatische Verbindungen

Die Studie in "PLoS ONE":

"Yawn Contagion and Empathy in Homo sapiens" von Elisabetta Palagi et al.

Die Empathie - also die Fähigkeit, Gefühlsregungen anderer Menschen zu erkennen und darauf zu reagieren - ist entscheidend für ein vielschichtiges Sozialverhalten. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass sogenannte Spiegelneuronen als Netzwerk von Nervenzellen in verschiedenen Hirnregionen uns automatisch ein Lächeln erwidern lassen. Schon lange gab es die Vermutung, dass es auch bei ansteckendem Gähnen solche empathische Verbindungen gibt. Nur belegt war es bisher nicht.

In diese Lücke stoßen die Wissenschafter mit ihrer Untersuchung, bei der sie über ein Jahr lang 109 Erwachsene in ihrem gewohnten Umfeld beobachteten. Die 56 Frauen und 53 Männer stammten aus Europa, Nordamerika, Asien und Afrika. 480 Aktionen haben die Forscher schließlich ganz genau ausgewertet - inklusive des Winkels, von dem aus das erste Gähnen von Beobachtern zu sehen war.

Soziale Bindung entscheidend

Das Ergebnis blieb immer gleich: Die soziale Bindung war jedes Mal entscheidender als Geschlecht, Nationalität oder die jeweilige Situation. Wenn sich Menschen nahe stehen, ahmen sie das Gähnen sogar noch schneller nach als bei guten Bekannten, ergab die Untersuchung.

Der Nachahmer-Effekt funktioniert aber nur, wenn Empathie bei einem Menschen ausgeprägt ist. Bei kleinen Kindern funktioniert er noch nicht, ebenso wenig bei Menschen mit Störungen wie Autismus.

science.ORF.at/APA/dpa

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