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Fachzeitschriften liegen übereinander

Tödliches Virus: Publizieren oder nicht?

Trotz Drucks von Seiten der US-Behörden wollen die zwei Wissenschaftsjournale "Science" und "Nature" möglicherweise mit Informationen über ein besonders gefährliches tödliches Virus an die Öffentlichkeit gehen.

Wissenschaftskommunikation 21.12.2011

Das US-Magazin "Science" zeigte sich beunruhigt, der Forschung "potenziell wichtige" Informationen zur Gesundheit vorzuenthalten, wie "Science"-Chefredakteur Bruce Alberts am Dienstag (Ortszeit) erklärte.

Die US-Behörde für Biosicherheit (NSABB), die die Regierung in Washington berät, befürchtet im Falle der Veröffentlichung der Informationen über das Vogelgrippevirus H5N1, dass dieses für Anschläge mit Millionen von Todesopfern hergestellt werden könnte.

Möglicher Auslöser einer Pandemie

Bei dem Virus handelt es sich um eine genetisch abgewandelte Variante des H5N1-Virus, das erstmals von Mensch zu Mensch übertragen wird. Sollte es in der Natur vorkommen oder von Terroristen eingesetzt werden, könnte es Experten zufolge eine tödliche Pandemie auslösen.

Das Virus führt in 60 Prozent der Fälle zum Tod. Bislang starben lediglich 350 Menschen an der Krankheit, da es derzeit noch nicht von Mensch zu Mensch übertragen wird.

"Extrem ernste Bedrohung"

Der Vorsitzende der NSABB, Paul Keim, zeigte sich im vergangenen Monat zutiefst besorgt über das Virus. "Ich kenne keinen anderen krankheitserregenden Organismus, der so beängstigend ist wie dieser", sagte Keim laut dem US-Verband zur Förderung der Wissenschaft.

Seine Behörde forderte die beiden Zeitschriften angesichts der "extrem ernsten globalen Bedrohung der Gesundheit" auf, "Änderungen an den Texten" vorzunehmen.

"Science" und das britische Magazin "Nature" prüfen derzeit die nicht bindende Forderung der US-Regierung, verweisen aber auf die Bedeutung der Informationen für die Wissenschaft, mit denen beispielsweise neue Behandlungsmethoden entwickelt werden könnten.

science.ORF.at/AFP

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