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Autos auf der Autobahn in der Abenddämmerung

Feinstaub-Bilanz: Besorgniserregend

Die Luftqualität in Österreich hat sich 2011 gegenüber dem vorigen Jahr weiter verschlechtert, berichtet der Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Demnach wurde bei jeder zweiten Messstelle der Jahresgrenzwert überschritten.

Überschreitungen 02.01.2012

Mit Ausnahme von Vorarlberg sind alle Bundesländer betroffen. Der stärksten Feinstaubbelastung im Jahr 2011 waren die Einwohner von Leibnitz, Graz und Wien ausgesetzt.

Feinstaub-Hotspots Österreichs

Tage im Jahr 2011 mit mehr als 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft, in Klammer das Jahr 2010

Leibnitz: 76 Tage (62 Tage)
Graz Don Bosco: 75 Tage (69 Tage)
Graz Süd Tiergartenweg: 66 Tage (66 Tage)

Wien Rinnböckstraße: 61 Tage (71 Tage)
Wien Liesing: 60 Tage (54 Tage)
Wien Belgradplatz: 58 Tage (87 Tage)
Wien Taborstraße: 55 Tage (54 Tage)
Wolfsberg: 54 Tage (42 Tage)

Wien Floridsdorf: 53 Tage (46 Tage)
Graz Mitte Gries: 52 Tage (17 Tage)
Wien Kendlerstraße: 51 Tage (40 Tage)
Wien Gaudenzdorf: 49 Tage (54 Tage)
Innsbruck Reichenau - Andechsstraße: 46 Tage (29 Tage)

"Jahresgrenzwert um das Dreifache überschritten"

Laut dem Verkehrsclub wurde an 76 der insgesamt 141 Messstellen der österreichische Jahresgrenzwerte (maximal 25 Tage mit zu hoher Feinstaubbelastung) überschritten. Im Vorjahr wurde bei 74 Messstellen der Grenzwert nicht eingehalten, im Jahr 2009 an elf Messstellen und im Jahr 2008 bei 15 Messstellen. Die meisten Tage mit Überschreitungen wiesen Leibnitz (76 Tage) und Graz (75 Tage) auf. "In diesen beiden Städten wurde der Jahresgrenzwert um das Dreifache überschritten", kritisierte VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen.

Weitere Feinstaub-Hotspots sind Wien, wo an allen Messstellen der Jahresgrenzwert überschritten wurde, sowie Linz, Klagenfurt und Innsbruck. Laut der VCÖ-Analyse war an 44 Orten die Feinstaubbelastung höher als im Jahr 2010. "Eine noch schlechtere Bilanz wurde durch günstige Wetterbedingungen im Dezember verhindert. Ziel muss es aber sein, dass selbst bei ungünstiger Wetterlage die Bevölkerung keiner gesundheitsschädlichen Feinstaubbelastung ausgesetzt ist", so Rasmussen.

Umweltzonen gefordert

Der VCÖ forderte für jene Städte, die eine zu hohe Feinstaubbelastung haben, die Einführung von Umweltzonen. In Umweltzonen dürfen Fahrzeuge, welche die Luft mit besonders vielen Schadstoffen verschmutzen, nicht einfahren. In Deutschland gibt es bereits in mehr als 50 Städten derartige Zonen. "Auch in Deutschland gibt es mit Verkehr, Industrie und Hausbrand drei große Verursacher von Feinstaub.

Doch im Unterschied zu Österreich ist es in der Auto-Nation Deutschland selbstverständlich, dass auch beim Verkehr wirksame Maßnahmen nötig sind. Eine Erkenntnis, die sich im neuen Jahr auch in Österreich durchsetzen sollte", so Rasmussen. Zudem forderte der VCÖ eine Partikelfilterpflicht für alte Lkw und Baumaschinen.

science.ORF.at/APA

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