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Frau schwabt mit bunten Schirm vor blauem Himmel

Statistik: Gesund = glücklich

Sind die Bewohner reicher Länder glücklicher? Eine aktuelle Studie findet nur schwache Zusammenhänge zwischen Volkswirtschaft und Lebensglück. Am wichtigsten ist ein Faktor, den man nicht kaufen kann: die Gesundheit.

Studie 04.01.2012

John Stuart Mill und Adam Smith, die beiden Urväter der modernen ökonomischen Theorie, versuchten das Ungreifbare und Flüchtige messbar zu machen. Glück war für die beiden etwas, das sich in Begriffe der Nützlichkeit übersetzen lasse - glücklich ist demnach jener, der konsumieren kann und die ökonomische Beweglichkeit für selbst gewählte Entscheidungen besitzt.

"Keine Gesellschaft kann gedeihen und glücklich sein, in der der weitaus größte Teil ihrer Mitglieder arm und elend ist", schrieb Smith in seinem Hauptwerk "The Wealth of Nations". Dass Armut und Elend dem Glück nicht gerade zuträglich sind, das wird man Smith gerne zugestehen. Die Frage ist nur: Gilt auch das Umgekehrte? Kann Wohlstand Glück erzeugen? Nationenvergleiche sprechen eher gegen diese These.

Das "Latin America Opinion Project", eine Vermessung der Lebensbedingungen in nord- und südamerikanischen Staaten, fand die höchsten Zufriedenheitswerte in relativ unterentwickelten Regionen: Die Bewohner Brasiliens, Costa Ricas und Panamas sind demnach glücklicher als die Bewohner der reichen USA.

Krankheit macht unglücklich

Welche Faktoren für eine erfüllte Existenz sorgen, lässt sich anhand solcher Nationenvergleiche schwer entscheiden. Dazu bedarf es Daten mit höherer Auflösung, die nun etwa die Untersuchung "Economic Determinants of Happiness", veröffentlicht am Preprintserver arXiv, anbietet. Die Studie hat zwar noch kein Peer Review unterlaufen und könnte somit auch fehlerhaft sein.

Doch falls sie einer objektiven Überprüfung standhält, könnte sie als statistisches Postskriptum zu einem beinahe 2.000 Jahre alten Satz gelesen werden. Er stammt von Marc Aurel: "Vergiss nicht - man braucht nur wenig, um ein glückliches Leben zu führen."
Teng Guo and Lingyi Hu, die beiden Autoren der Studie, haben die Ergebnisse des "General Social Survey" analysiert - eine Befragung von US-Bürgern seit dem Jahr 1972, die Fragen wie etwa diese beinhaltet: "Würden Sie sich im Großen und Ganzen als sehr glücklich, halbwegs glücklich oder eher nicht glücklich bezeichnen?"

Die Antworten verglichen die beiden mit wirtschaftlichen Daten. Das Ergebnis der Berechnungen: eine Faktorenzerlegung des Lebensglücks. Der mit Abstand wichtigste Einflussfaktor ist demnach die Gesundheit. Gesunde Menschen sind um 20 Prozent glücklicher als der statistische Normbürger, Kranke hingegen um acht Prozent unglücklicher als das statistische Mittel. Der Familienstand hat ebenfalls einen relativ starken Einfluss. Für Verheiratete zeigt das Glücksbarometer um etwa zehn Prozent höhere Werte an als es bei Ledigen der Fall ist.

Ursache oder Wirkung?

Messbar, aber deutlich weniger stark beeinflusst das persönliche Einkommen die Lebenssituation. Die Mitglieder der höchsten Einkommensschicht sind um 3,5 Prozent zufriedener als die Durchschnittsbürger. Das mag wiederum ein überraschendes Ergebnis erklären: Kinder zu haben, reduziert nämlich das Glück laut Statistik minimal, und zwar um 0,24 Prozent. Teng Guo and Lingyi Hu vermuten, das könnte mit der damit verbundenen finanziellen Belastung zu tun haben.

Beim Sprung auf die volkswirtschaftliche Ebene verflüchtigt sich der Einfluss der Ökonomie zumindest teilweise. Das Bruttoinlandsprodukt (oder Änderungen dessen) beeinflusst die gefühlte Zufriedenheit gar nicht, lediglich die Inflation scheint eine hemmende Wirkung zu haben.

Fazit: Investments in das Gesundheitswesen könnten die Gesellschaft vermutlich zufriedener machen, wenngleich die Studie über Ursache und Wirkung nichts sagt. Gesunde Menschen sind wohl glücklicher. Aber vielleicht ist es auch umgekehrt: Sind glückliche Menschen gesünder?

Robert Czepel, science.ORF.at

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