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Oktopus auf dem Meeresboden

"Vergessene Welt" auf dem Meeresboden

In der Tiefsee vor der Antarktis haben Forscher ein neues, bizarres Ökosystem entdeckt. Unzählige Yeti-Krabben bedecken den Seeboden lückenlos, auch einen vermutlich neuen Oktopus hat ein ferngelenktes U-Boot fotografiert.

Entdeckung 04.01.2012

Das Leben findet sich rings um einige heiße Quellen, aus denen Wasser mit einer Temperatur von rund 380 Grad Celsius strömt - das ist heißer als geschmolzenes Blei.

Schlote und schwarzes Wasser

Forscher um Alex Rogers von der Universität in Oxford ließen ihr mit Messgeräten und Kameras bestücktes U-Boot im Gebiet der East Scotia Ridge östlich der Südspitze Südamerikas und nördlich der Antarktis auf bis zu 2.600 Meter herab. Die Bilder zeigten unter anderem sogenannte Black Smoker ("Schwarze Raucher"). Diese mehrere Meter hohen Schlote wachsen vom Meeresboden empor.

Aus ihnen strömt heißes Wasser, das im Untergrund von Magma erhitzt wurde. Darin gelöst sind Mineralien und andere Substanzen, es erscheint daher schwarz. Beim Kontakt mit dem umgebenden Ozean - er hat Temperaturen nahe des Gefrierpunktes - fallen die Mineralien aus und lassen die Schlote wachsen. In der Weite des immer dunklen und kalten Meeresbodens entstehen durch diese hydrothermalen Quellen Oasen eines höchst spezialisierten Lebens.

Weiße Krabben bedecken den Meeresboden

Oxford University

Yeti-Krabben bedecken den Meeresboden

Rogers und seine Kollegen fanden in 2,4 Kilometern Tiefe etwa tausende blasse Krabben, die den Boden als dichter Teppich bedecken. Sie werden zu den Yeti-Krabben gezählt, von denen bisher überhaupt nur eine Art bekannt ist. Die Felsen sind an vielen Stellen mit einer dicken Schicht aus Mikroorganismen bewachsen. Sie profitieren von den zahlreichen Substanzen und der Wärme, die mit den Quellen ins Wasser gelangen. In einer Erklärung spricht Rogers von einer "heißen, dunklen und verlorenen Welt" voller unbekannter Arten.

Leben ohne Licht

"Was wir nicht gefunden haben, ist genauso überraschend wie das, was wir entdeckt haben", ergänzte der Biologe. Denn viele Tiere, die sich an hydrothermalen Quellen in anderen Ozeanen finden, kommen in dem neu beschriebenen Ökosystem in der Antarktis nicht vor. Dazu zählen Würmer, Muscheln, einige Krabben und Garnelen. Daraus schließen die Forscher, dass die Lebensgemeinschaften rings um die heißen Quellen weit vielfältiger sind als bisher angenommen.

Die Kameras erspähten in der Tiefe auch einen bisher nicht beschriebenen räuberischen Seestern mit sieben Armen. Er wanderte über ein Feld mit Seepocken, die an Stielen wachsen - Seepocken gehören zur der großen Gruppe der Krebse. Hinzu kamen zahlreiche Napfschnecken und Seeanemonen.

Das abgeschiedene Leben in der Tiefsee erscheint mitunter so fremd wie das von einem anderen Planeten. In der lichtlosen Tiefe liefert die Sonne keine Energie. Die Organismen greifen auf chemische Energie zurück, um ihre Kohlenhydrate und andere lebensnotwendige Substanzen aufzubauen. In Anlehnung an die Photosynthese auf der Erdoberfläche sprechen Forscher von "Chemosynthese". Die damit wachsenden Bakterien bilden die Grundlage der weitgehend isolierten Ökosysteme.

science.ORF.at/APA/dpa

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