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Frau misst Bauchumfang mit Zentimeterband.

Sich dünner schreiben

Nicht nur Turnübungen, auch Schreibübungen können einer Studie zufolge eine Gewichtsabnahme begünstigen. Frauen, die einen kurzen Text über ihre wichtigsten Werte verfasst hatten, verloren in den folgenden Monaten bis zu zwei Kilo.

Psychologie 05.01.2012

Die Frauen in der Kontrollgruppe legten im Gegensatz dazu sogar etwas an Gewicht zu.

Ungeplante Gewichtsabnahme

Die Studie in "Psychological Science":

Testing the Effect of a Values-Affirmation Intervention on Weight Loss" von Ch. Logel und G. Cohen

An der Studie nahmen 45 weibliche Studienanfängerinnen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 23 teil; ein BMI zwischen 18,5 und 24,9 gilt als normal. 58 Prozent der Teilnehmerinnen waren übergewichtig oder dickleibig.

Jede Frau wurde zuerst gewogen. Dann erhielt sie eine Liste von Begriffen wie Kreativität, Politik, Musik und Beziehungen. Die Probandinnen mussten die Dinge nach ihrer Wertigkeit sortieren. Die Hälfte der Gruppe sollte dann 15 Minuten lang über den für sie wichtigsten Begriff schreiben. Die Kontrollgruppe sollte einen Text verfassen, der erklärt, warum ein für sie persönlich unwesentlicher Begriff für andere wichtig sein könnte.

Mehr als ein Monat später mussten die Teilnehmerinnern wieder kommen. Sie wurden erneut gewogen. Jene Frauen, die an der ersten Schreibübung teilgenommen hatten, hatten im Durchschnitt 3,41 Pfund (1,55 Kilogramm) abgenommen, die Probandinnen aus der Kontrollgruppe hatten hingegen durchschnittlich 2,76 Pfund (1,25 Kilogramm) zugenommen. Diese Zunahme ist laut den Forschern um Christine Logel von der University of Waterloo für US-amerikanische Studentinnen am Anfang des Studiums typisch.

Einfache Übung, große Wirkung

Nach Ansicht der Forscher liegt die Erklärung dafür in einem durch die Übung gestärktem Selbstwertgefühl. "Unsere Gefühle für uns selbst können große Wirkungen haben", so Logel. Vielleicht seien die Teilnehmerinnen, nachdem sie den positiven Text verfasst hatten, mit einem so guten Gefühl heimgegangen, dass sie keine tröstenden Snacks brauchten. Hielt der Zustand an, wurde es vielleicht möglich, auf schlechte Gewohnheiten immer öfter zu verzichten.

Schon frühere Studien haben gezeigt, dass es sich lohnen kann, kurz über die guten und wichtigen Dinge in seinem Leben nachzudenken und darüber einen Text zu verfassen. So konnte etwa Geoffrey L. Cohen von der Stanford University, der Ko-Autor der aktuellen Studie, bereits zeigen, dass es Schülern aus Minderheiten nach derartigen Schreibübungen gelingt, Leistungsunterschiede aufzuholen und sogar langfristig wettzumachen.

Ob dieser simple Trick bei jedem funktioniert und auf alle Bereiche übertragbar ist, lässt sich laut den Forschern derzeit noch nicht sagen. Es spreche jedenfalls nichts dagegen, es selbst auszuprobieren: "Es kann auf keinen Fall schaden, sich ab und zu Zeit zu nehmen, um über jene Dinge nachzudenken, die einem im Leben wirklich wichtig sind", so Logel.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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