Standort: science.ORF.at / Meldung: "200 Millionen nehmen illegale Drogen"

Mensch schnupft Kokain von einem Spiegel

200 Millionen nehmen illegale Drogen

Das britische Wissenschaftsmagazin "Lancet" hat erschreckende Zahlen über den weltweiten Drogenmissbrauch veröffentlicht. Demnach greifen jährlich 200 Millionen Menschen weltweit zu illegalen Drogen - jeder 20. in der Altersgruppe der 15-bis 64-Jährigen. In den hochentwickelten Industrieländern ist die Missbrauchsquote am höchsten.

Drogen 06.01.2012

Illegale Drogen spielen für den Gesundheitszustand der Bevölkerung inzwischen eine ähnlich große Rolle wie der Missbrauch von Alkohol. "Lancet" stützt sich auf insgesamt drei Studien. Die erste stammt von den australischen Forschern Louisa Degenhardt und Wayne Hall, eine zweite vom Briten John Strang. Die dritte Untersuchung hat der Melbourner Wissenschaftler Robin Room verfasst.

Konsum schwer abschätzbar

Der tatsächliche Konsum von illegalen Drogen sei nie genau zu schätzen, weil naturgemäß keine offiziellen Zahlen existieren können. Dennoch gehen die Wissenschaftler Hall und Degenhardt davon aus, dass weltweit zwischen 125 und 203 Millionen Menschen Cannabisprodukte wie Haschisch oder Marihuana einnehmen. Andere Drogen wie Kokain oder Opiate (Heroin) liegen mit bis zu 21 Millionen Konsumenten deutlich dahinter. Weltweit gibt es demnach zwischen elf und 21 Millionen Menschen, die sich Rauschgift spritzen.

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Über die Studien berichten auch die Journale.

Illegale Drogen scheinen in Australien und Neuseeland durchaus beliebt zu sein - allein 15 Prozent der 15- bis 64-Jährigen nehmen dort Cannabis, schreiben die Wissenschaftler unter Berufung auf Zahlenmaterial der Vereinten Nationen. Opiate sind dagegen im Nahen Osten besonders nachgefragt. Diese Drogen sind für die Volksgesundheit die gefährlichsten: Jeder vierte Konsument werde lebenslang abhängig, es bestehe die Gefahr von Todesfällen durch Überdosen, hinzu komme das Risiko der Übertragung schwerwiegender Virusinfektionen wie Aids.

Hartes Durchgreifen gefordert

Strang beklagt einen großen Mangel an politischem Vermögen im Umgang mit dem Drogenproblem. "Ein Großteil der öffentlichen Debatte in der Drogenpolitik basiert auf nur minimalen Informationen aus der Wissenschaft", heißt es in dem Text.

Internationale Verträge müssten sicherstellen, dass etwa Opiate nicht illegal, sondern in der Medizin als Schmerzmittel eingesetzt werden. Dies sei bisher etwa in ärmeren Ländern nicht ausreichend möglich, argumentiert Room. Immer wieder seien Schlupflöcher und Sonderklauseln in den Verträgen genutzt worden, um deren eigentlichen Sinn zu umgehen.

International werde derzeit ein Schwerpunkt in der Drogenbekämpfung auf Kriminalisierung gelegt, kritisiert Room, der seine Studie gemeinsam mit dem US-amerikanischen Forscher Peter Reuter verfasst hat. Die Politik vieler Staaten konzentriere sich oft auf extreme Bestrafungen, bis hin zur Todesstrafe. Das Problem sei nicht gelöst worden und werde zulasten der Konsumenten, nicht der Händler angegangen.

science.ORF.at/APA/dpa

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