Standort: science.ORF.at / Meldung: "Klimawandel bedroht Alpenpflanzen"

Eine blühendes Exemplar einer Saxifraga aizoides.

Klimawandel bedroht Alpenpflanzen

Das Verbreitungsgebiet von alpinen und arktischen Pflanzenarten und ihre genetische Vielfalt werden durch die globale Erwärmung in Zukunft stark eingeschränkt, stellte eine internationale Forschergruppe mit Beteiligung österreichischer Wissenschafter fest.

Diversität 24.01.2012

Weil die Pflanzen die Vielfalt brauchen, um sich an veränderte Bedingungen anzupassen und den Klimawandel zu überstehen, ist das ein Teufelskreis, so der Botaniker Peter Schönswetter von der Universität Innsbruck im Gespräch mit der APA, der an der Studie beteiligt war.

Die Studie:

"Genetic consequences of climate change for northern plants" ist in den "Proceedings of the Royal Society B" erschienen (DOI:10.1098/rspb.2011.2363).

Szenarien durchgerechnet

Die Wissenschaftler aus Norwegen, Frankreich und Österreich sammelten knapp 10.000 Proben von 27 Pflanzenarten, die in den Alpen und der Arktis an der Baumgrenze oder darüber hinaus wachsen, und untersuchten die genetische Vielfalt der Kräuter und Sträucher. Dann berechneten sie anhand zweier Klimaszenarien, wie ihre Verbreitungsgebiete im Jahr 2080 aussehen werden.

Bei allen untersuchten Pflanzenarten wird der Lebensraum in Zukunft schrumpfen, und zwar stärker als der von Pflanzen in gemäßigten Gebieten, so die Wissenschaftler. Ebenso nehme die genetische Vielfalt innerhalb der Arten ab.

Unterschiedlich betroffen

Hahnenfuß und Birke:

So wird etwa der mehrjährige Gletscher-Hahnenfuß (Ranunculus glacialis) einen großen Teil seiner genetischen Vielfalt verlieren. Denn die Pflanze wächst vor allem in Gipfelregionen und die Samen kommen nicht so weit, um die notwendige Mischung der Populationen zu erreichen. Die ebenfalls in Österreich ansässige Zwergbirke (Betula nana) hat nicht so düstere Aussichten, denn ihre Samen werden mit dem Wind verbreitet und sie lebt bis zu hundert Jahren.

Je nach Wuchsform und Verbreitungsstrategie sind die Pflanzen allerdings unterschiedlich stark betroffen. Arten, deren Samen von Wind und Vögeln über große Strecken verbreitet werden, können ihr Erbgut untereinander besser austauschen als solche mit stark eingeschränkten Verbreitungsmöglichkeiten. Sie können so die Vielfalt besser erhalten.

Auch die Wuchsform macht einen Unterschied: Holzgewächse, die bis zu hundert Jahre alt werden, bewahren ihr Erbgut länger als kurzlebige Kräuter, schreiben die Wissenschaftler. Allerdings könnten sich Kräuter durch den kurzen Generationszyklus schneller an veränderte Bedingungen anpassen, was ihre Chancen wiederum verbessert.

Die Methode sei auch auf andere Organismen, wie Vögel und Insekten, anwendbar, betonte Schönswetter. Sie könnte daher nützlich sein, um aus den zahlreichen gefährdeten Arten schon jetzt diejenigen auszuwählen, die am dringendsten Schutz bedürfen.

science.ORF.at/APA
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