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Liebespaar am Meer

Wie man sich glücklich shoppt

Psychologen raten: Wenn schon Konsum, dann sollte man in Erlebnisse investieren, nicht in Besitz. Wer zur Extraversion und Offenheit neigt, hat die größte Chance, sich durch Shopping glücklich zu machen.

Studie 31.01.2012

"Wie vieles gibt es doch, was ich nicht nötig habe." Der gute alte Sokrates wusste es - und im Prinzip wissen wir es auch: Die Anhäufung von Besitz macht nicht glücklich. Sie machte sogar eher unglücklich, wie Studien zeigen. Schuld ist die verbundene Lebenshaltung, der Materialismus. Das muss allerdings nicht bedeuten, dass Konsum per se dem Lebensglück abträglich ist. Denn kaufen kann man zweierlei: Erfahrungen und Güter.

Soll man ein Ticket fürs Popkonzert kaufen oder besser eine CD der gleichen Band? Ist es besser in eine Reise zu investieren oder in neue Küchenmöbel? Ryan Towell von der San Francisco State University rät im Zweifelsfall zu Ersterem. Der Psychologe hat vor drei Jahren herausgefunden, dass Erlebnisse, auch wenn sie Geld kosten, durchaus glücklich machen können, während Waren das nicht tun.

Ihm zufolge gibt es zwei Gründe, warum der Konsum von Erfahrungen dem Ich gut tut: Er verstärkt Sozialkontakte und er verringert die Wahrscheinlichkeit, sich mit anderen zu vergleichen ("social comparison" nennen Psychologen letzteres).

"Erfahrungen kann man nicht umtauschen"

Nun hat Towell die Sache in einer neuen Arbeit etwas eingehender untersucht. "Wir wussten dass "'Erfahrungs-Shopper' im Durchschnitt glücklicher sind", so Towell. "Jetzt wollten wir herausfinden, warum sich Menschen für Erfahrungen anstatt materieller Güter entscheiden." Eine Online-Befragung von 10.000 Personen zeigt einen klaren Zusammenhang mit dem Charakterprofil.

Psychologen erstellen dieses Profil mit Hilfe von fünf Grundeigenschaften, "Big Five" genannt. Typische "Erfahrungs-Shopper" sind Towell zufolge jene, die in den Kategorien "Extraversion" und "Offenheit" hohe Werte erreichen: "Diese Merkmale passen gut in unser Konzept, denn neue Lebenserfahrungen sind ihrem Wesen nach sozial sowie mit einem gewissen Risiko verbunden. Wenn man eine neue Erfahrung nicht mag, kann man nicht ins Geschäft zurückgehen und um Rückerstattung bitten."

Gleichwohl sei es einfacher das Kaufverhalten als den eigenen Charakter zu ändern, sagt Towell. "Unseren Ergebnissen zufolge könnten auch Menschen profitieren, die sich normalerweise zu materiellen Käufen hingezogen fühlen. Wenn sie eine neue Balance zwischen traditionellem Konsum und Erfahrungen finden, dann wird sich vermutlich auch ihr Wohlbefinden ändern."

science.ORF.at

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