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Darstellung der Gehirnveränderung vpn Drogenabhängigen

Gehirnanomalien machen anfällig für Drogen

Drogenabhängige sowie ihre gesunden Geschwister haben Veränderungen im Gehirn und Schwierigkeiten bei der Kontrolle von Impulsen. Forscher der britischen Universität Cambridge sehen darin Hinweise, dass solche Anomalitäten anfällig für eine Drogensucht machen.

Neurowissenschaften 03.02.2012

"Wir gehen davon aus, dass es Gehirnveränderungen gibt, die den Drogen ein leichtes Spiel ermöglichen", sagte die deutsche Psychologin Karen Ersche, die seit zehn Jahren in Cambridge arbeitet. "Die brennende Frage ist: Was hat die Geschwister beschützt, die nicht krank wurden?"

Erbliche Komponente

Die Studie in "Science":

"Abnormal Brain Structure Implicated in Stimulant Drug Addiction" von K.D. Ersche et al.

Für die Studie untersuchten die Forscher 50 Geschwisterpaare - je ein Proband eines Paares war gesund, der andere drogenabhängig. Diese Teilnehmer verglichen die Experten mit 50 gesunden Menschen, die ähnlich alt und intelligent waren. "Die Geschwisterpaare hatten es in der Kindheit schon schwieriger als die Vergleichspersonen, sie hatten beispielsweise häufiger mit häuslicher Gewalt zu kämpfen."

Ersche und Kollegen interessierten sich vor allem für die Abhängigkeit von Stimulanzien wie Kokain oder Amphetamine. "Diese machen vergleichsweise schnell abhängig. Das Risiko ist achtfach höher, wenn es bereits Drogen- oder Alkoholabhängigkeit in der Familie gibt." Das sei ein Hinweis auf eine erbliche Komponente, ohne dass man bislang ein Gen für Suchtgefährdung gefunden habe.

Schlechte Impulskontrolle

Die Wissenschaftler machten Aufnahmen von den Gehirnen mit einem Hirnscanner und führten psychologische Tests durch. "Die Geschwisterpaare, von denen einer erkrankt war, hatten Schwierigkeiten bei der Kontrolle von Impulsen." Die Teilnehmer mussten am Computer Aufgaben lösen und sollten nach einer bestimmten Ansage stoppen. Bei den Geschwisterpaaren dauerte es laut Ersche viel länger als bei den gesunden Vergleichsprobanden, bis der Befehl "vom Gehirn in der Hand ankam" und sie nicht mehr weiterklickten.

"Die Schwierigkeiten bei der Impulskontrolle spiegelten sich in der weißen Substanz des Gehirns wieder, also in den Nervenverbindungen", sagte Ersche. "Die Nervenverbindungen im Frontalhirn waren weniger effizient als bei den Probanden aus der Vergleichsgruppe, die Geschwister waren sozusagen schlechter verkabelt." Das sei bedeutsam, weil das Frontalhirn für die zielgerichtete Kontrolle menschlichen Handelns zuständig sei.

science.ORF.at/APA/dpa

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