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Frauen, die in die Kamera schauen

Experiment zeigt: Frauenförderung wirkt

Maßnahmen zur Frauenförderung sind nicht unumstritten und werden oft als wirkungslos kritisiert. Dass sie wirken, haben nun Innsbrucker Forscher bei Experimenten festgestellt. Wenn mit Frauenquoten oder Bevorzugung vergleichbare Maßnahmen gesetzt wurden, kam es zu einer deutlichen Erhöhung der Wettbewerbsbereitschaft von Frauen.

Gesellschaft 03.02.2012

Zudem zeigte sich, dass die Förderung keine negativen Nebenwirkungen hatte.

Wirkung bisher unklar

Die Studie in "Science":

"Affirmative Action Policies Promote Women and Do Not Harm Efficiency in the Laboratory" von Loukas Balafoutas und Matthias Sutter

Laut Studienautor Matthias Sutter vom Institut für Finanzwissenschaft der Universität Innsbruck ist man sich in der Volkswirtschaft weitgehend einig: Frauen meiden eher als Männer den Wettbewerb um Führungspositionen, selbst bei gleicher oder besserer Qualifikation. Das ist mit ein Grund für verschiedene Frauenfördermaßnahmen. Wie sich diese tatsächlich auswirken, ist aber weitgehend ungeklärt. "Seriöse Daten aus der Praxis zu diesem Thema zu gewinnen ist nahezu unmöglich", so Sutter.

Der Wissenschaftler hat deshalb mit seinem Kollegen Loukas Balafoutas ein Experiment ersonnen. Mit 360 Studenten haben sie getestet, wie Frauen und Männer auf verschiedene Maßnahmen reagieren. Dazu wurden Gruppen aus je drei Frauen und Männern gebildet. Sie mussten möglichst viele Additionen von fünf zweistelligen Zahlen durchführen. Die Probanden konnten dabei wählen, ob sie pro richtig gelöster Aufgabe 50 Cent erhalten oder sich in einen Wettbewerb mit den anderen begeben: Dann bekamen sie 1,50 Euro pro gelöster Aufgabe, aber nur dann, wenn sie zu den zwei besten im Wettbewerb zählten.

Realitätsähnliche Fördermaßnahmen

Ö1 Sendungshinweis:

Über die Studie berichtet auch Wissen Aktuell am 3.2. um 13:55.

Dieses Experiment wurde in fünf Varianten durchgeführt: Einmal gab es keinerlei Fördermaßnahmen für Frauen. Variante zwei sah vor, dass mindestens eine Frau unter den zwei Gewinnern sein muss. Das entspricht in der Realität einer Quotenregelung, etwa wenn mindestens 40 Prozent der Mitglieder eines Gremiums Frauen sein müssen, erklärte Sutter im Gespräch mit der APA.

In der dritten Variante erhielten Frauen automatisch einen zusätzlichen Punkt, was in der Realität der Bevorzugung von Frauen bei gleicher Qualifikation entspricht. In Variante vier erhielten die Frauen im Spiel zwei Punkte dazu. Für eine solche starke Bevorzugung müsste beispielsweise eine Berufungskommission einer Bewerberin mit schlechterem Leistungsprofil als dem ihres Mitbewerbers den Job geben, weil ihre familiären Pflichten mitberücksichtigt werden. In der fünften Spielvariante wurde der Wettbewerb wiederholt, wenn keine Frau unter den Gewinnern war.

Leistung unbeeinflusst

Es zeigte sich, dass ohne Fördermaßnahmen "die Wettbewerbsbereitschaft der Frauen nur halb so hoch war wie die der männlichen Teilnehmer". Bei den Varianten zwei, drei und vier (also Quote, Bevorzugung und starke Bevorzugung) wählten die Frauen dagegen deutlich öfter die Wettbewerbs-Variante des Spiels. Bei den Männern änderte sich indes in den verschiedenen Spielarten nichts. Variante fünf (Wiederholung) zeigte keinen signifikanten Unterschied.

Immer wieder wird gefragt, ob solche Fördermaßnahmen nicht irgendwelche negativen Nebenwirkungen haben. "Wir haben keine gefunden", so Sutter. So wurde die Leistung durch die Förderungen nicht beeinflusst. Auch wenn man die Zusatzpunkte herausrechnet: Die Gewinnerinnen schnitten besser bzw. gleich gut wie ihre männlichen Kollegen ab.

Keine Spätfolgen

Erstmals untersucht haben die Wissenschaftler die Frage, wie sich solche Förderungen auf die spätere Arbeit in einem Team auswirken. So könnten ja Frauen, die durch Fördermaßnahmen einen Job bekommen haben, später diskriminiert werden, wodurch die Effizienz von Teamleistungen gesenkt würde.

Die Forscher führten dazu ein einfaches Koordinationsspiel durch, in dem es um die effiziente Abstimmung von Handlungen ging, um möglichst viel Geld zu verdienen. Dabei war allen Spielern bekannt, wer im vorangegangenen Wettbewerb wie gefördert wurde und gewonnen hatte.

"Es wäre also einfach gewesen, jemanden durch ineffizientes Handeln zu diskriminieren, der aufgrund einer Förderung gewonnen hatte", so Sutter. Dass das in keiner Weise passiert ist, hat selbst die Wissenschaftler überrascht. Sie hoffen, irgendwann einmal diese Ergebnisse mit realen Daten - etwa aus Unternehmen - vergleichen zu können.

science.ORF.at/APA

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