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Rotaugenlaubfrosch auf Finger

CO2-Gebühr würde Artensterben bremsen

Die Abholzung der Wälder ist der zweitgrößte Beitrag der Menschheit zum Klimawandel. Beim Artensterben ist sie gar Faktor Nummer eins. Würde man die Rodungen reduzieren, könnte man auch das Artensterben in den betroffenen Gebieten abschwächen oder gar zum Stillstand bringen.

Studie 06.02.2012

Dies zeigt eine Untersuchung mit Beteiligung von Wissenschaftern des International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) in Laxenburg. Das wichtigste Instrument dafür wäre eine Gebühr für den CO2-Ausstoß, so die Forscher, die ihre Studie in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals "Nature Climate Change" veröffentlicht haben.

"Bei der Weiterführung der heutigen Entwaldungsraten verschwinden pro Jahr weltweit etwa zwölf bis dreizehn Millionen Hektar Wald", sagt Studienatuor Michael Obersteiner vom IIASA.

Artenschwund bei "business as usual"

Die Studie

"Impacts of incentives to reduce emissions from deforestation on global species extinctions", Nature Climate Change online (doi: 10.1038/nclimate1375).

In diesem Szenario, das die Forscher "business as usual" nennen und bei dem der Ausstoß von CO2 gebührenfrei ist, wird nach ihren Berechnungsmodellen von etwa 4.500 Säugetier- und Amphibienarten, die auf den Wald angewiesen sind, jede vierte bis zehnte bis zum Jahr 2100 aussterben. Von allen Pflanzen und Wirbeltieren dieser Wälder würde 2100 knapp ein Viertel verschwunden sein. Das sind mehr als 36.000 Arten.

"Carbonpreis" mit Schutzeffekt

Die Forscher berechneten nun, wie es sich auf die Wälder und die darin beheimateten Arten auswirken würde, wenn der Ausstoß von CO2 mit einer Gebühr belegt wäre. "Wir simulierten eine Welt, in der es für alle Wälder einen 'Carbonpreis' gibt. Dann berechneten wir, wie viel Entwaldung dadurch vermieden würde", so Obersteiner.

Bei einem Preis von 25 US-Dollar (19 Euro) für eine Tonne CO2 würden neun von zehn Arten überleben, die im "business as usual"-Szenario aussterben würden. "Auch bei zehn Dollar pro Tonne passiert schon viel", so Obersteiner. Selbst ein Preis von sieben Dollar pro Tonne CO2 würde die Hälfte aller betroffenen Arten retten.

Neuguinea: Großer Effekt mit wenig Geld

Das Ö1-Wissenschaftsjahr 2012 widmet sich unter dem Titel "ÖkoScience" der Forschung für Nachhaltige Entwicklungen.

Ö1-Sendungshinweise

Dem ORF-Schwerpunkt "Unser Klima" widmen sich diese Woche auch die Beiträge in "Wissen aktuell", 6. bis 10. Februar, 13:55.

Mit dem Thema Energie beschäftigt sich die heutige Sendung der Dimensionen: "Klimaschutz oder Naturschutz? Wasserkraft im Spannungsfeld der Interessen", Montag, 06. Februar 2012, 19:05. Gestaltung: Sonja Bettel.

Nicht alle Wälder beherbergen gleich viele Arten, besonders betroffen sind etwa das westliche Amazonasbecken, Südostasien oder das Kongobecken. Daher müsste man in den verschiedenen Ländern individuelle Studien durchführen und die optimale Politik für gewisse Biodiversitäts- und Emissionsziele entwickeln, so Obersteiner.

Für Neuguinea etwa sagen die Modelle voraus, dass ein CO2-Preis von 10 Dollar pro Tonne 90 Prozent der gefährdeten Wälder und etwa ebenso viele Arten im Vergleich zum Nulltarif retten würde. In Indo-Birma bräuchte man für den gleichen Effekt ein Entgelt von über 25 Dollar.

Das sogenannte REDD-Modell ("Reducing Emissions from Deforestation and Degradation", übersetzt: "Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und zerstörerischer Waldnutzung") berücksichtigt die Funktion der Wälder als Kohlenstoffspeicher. Es wurde unter anderem im Rahmen der UN-Klimakonferenz in Cancun (2010) diskutiert.

"Emissionen aus Entwaldung sind in vielen Ländern wie Brasilien, Indonesien und im Kongo der größte Faktor der Emissionen. Das REDD-Programm wäre der erste Schritt, die Entwicklungs- und Schwellenländer für eine Post-Kioto-Verpflichtung ins Boot zu holen", erklärte Obersteiner

science.ORF.at/APA

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