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Schemtaische darstellung des Gehirns

Wie Metaphern im Gehirn wirken

Formulierungen wie "hartes Herz" und "glattes Auftreten" lösen einer Studie zufolge eine besondere Reaktion im Gehirn aus: Sie aktivieren ein Zentrum, das Tastinformationen verarbeitet.

Sprache 08.02.2012

Das bildhafte Sprechen ist, wie der Philologe weiß, dem Wortstamm nach eine Übertragung. Wie die Übertragung vom Bild zum Sinn funktioniert, war bis vor kurzem unter Hirnforschern umstritten. Eine Hypothese lautete, dass wir solche Formulierungen rein aus dem Kontext lernen.

Im Fall des Satzes "Sie hatte einen harten Tag" würde demnach "hart" mit "anstrengend" verbunden - und somit nach einigen Wiederholungen als bildhafter Ausdruck verstanden. Demgegenüber stand die Vermutung, dass "hart" im übertragenen Sinn ähnlich wie die wirkliche Härte - nämlich via Tastsinn - verarbeitet werden könnte.

Die Studie

"Metaphorically feeling: Comprehending textural metaphors activates somatosensory cortex", Brain and Language (doi: 10.1016/j.bandl.2011.12.016).

Das dürfte tatsächlich der Fall sein, wie Krish Sathian von der Emory University in Atlanta herausgefunden hat. Er legte elf Studenten unter den Hirnscanner und präsentierte ihnen diverse Satzpaare, etwa "Das war eine haarige Situation" versus "Das war eine schwierige Situation". Beide Formulierungen aktivierten das Sprachzentrum im Gehirn der Probanden, doch die bildhaften Sätze noch ein weiteres: das parietale Operculum. Diese Region ist an der Unterscheidung von Texturen beteiligt und verarbeitet Informationen, die vom Tastsinn stammen.

Metaphern haben offenbar eine sinnliche Grundlage, vermuten die Forscher. Ein Beweis ist dieser Versuch allerdings noch keiner. Sathian will daher das parietale Operculum seiner Probanden durch Magnetströme hemmen und nachsehen, ob dieser Eingriff das metaphorische Verständnis stört.

Robert Czepel, science.ORF.at

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