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Eine verschneite Winterlandschaft in Zwettl im Mühlviertel.

Prognose: Europas Winter werden kälter

Der klirrend kalte Winter in Europa erscheint wie eine Bestätigung jüngster Klimastudien. Forscher sagen kältere Zeiten im Winter voraus, sofern das Eis in der Arktisregion nördlich Europas weiter so stark schmelzen sollte wie bisher.

Klima 08.02.2012

Kalte Winterwinde und mehr Schnee

"Der anormale Rückgang des winterlichen Meereises in der Barents-Kara-See könnte extrem kalte Zeitenspannen bringen, ähnlich wie jene im Winter von 2005/2006." Dieser Satz stammt aus einer Studie von Vladimir Petoukhov vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und Vladimir Semenov vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel.

Ihr Computermodell namens "ECHAM5" zeigte im Jahr 2010: Eine Erwärmung der Luft in der Barents-Kara-See nördlich von Skandinavien und Russland kann kalte Winterwinde nach Europa bringen.

Forscher am Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven kamen wenig später zu ähnlichen Ergebnissen. "Die Wahrscheinlichkeit für kalte, schneereiche Winter in Mitteleuropa steigt, wenn die Arktis im Sommer von wenig Meereis bedeckt ist", schrieb das AWI erst am 26. Jänner 2012.

Arktische Luft dringt vor

Und das geht so: Das Sonnenlicht erwärmt die dunkle Meeresfläche stärker als eine helle Eisdecke. Aufgrund der kleiner werdenden Eisfläche wird demnach mehr Wasser erwärmt, wodurch sich die Lufttemperaturen in der Arktisregion bis in Herbst und Winter erhöhen.

"Dies lässt durch komplexe Wechselwirkungen den Luftdruckgegensatz zwischen der Arktis und den mittleren Breiten Europas geringer werden und kalte arktische Luft kann im Winter besser bis nach Europa vordringen", erläuterte AWI-Forscher Ralf Jaiser, der zusammen mit Kollegen im Jänner eine entsprechende Studie im Journal "Tellus A" veröffentlicht hat. Dies sei natürlich keine "wasserdichte Prognose", räumt er ausdrücklich ein. "Dafür ist das Klima zu komplex und es sind tatsächlich zu wenige Details verstanden."

"Andere Jahreszeiten werden wärmer"

Sicher ist aber, dass die Thesen der Extremtemperaturen im europäischen Winter nicht die globale Erderwärmung oder den Weltklimareport infrage stellen. Sie beziehen sich vielmehr nur auf einen Teil der Winterzeit in einer Region der Erdoberfläche.

"Wir sagen, dass es in der Arktis wärmer und bei uns kälter wird", erläuterte Jaiser. "Auf Spitzbergen ist es im Moment ungewöhnlich warm und es regnet." In der vergangenen Woche habe es auf dieser nördlich von Skandinavien liegenden Inselgruppe einen Regenrekord gegeben.

"Europa ist eine relativ kleine Region und die Winter sind nur eine von vier Jahreszeiten. Die anderen werden durchaus wärmer", betonte Jaiser. Das äußere sich bereits durch längere Vegetationszeiten. "Unsere Studie ist ein Puzzlestück im großen Klimageschehen."

Simone Humml, dpa

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