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Blick auf peruanische Ausgrabungsstätte Chavín de Huántar

In die Vergangenheit hören

Eigentlich befasst sich Archäologie mit Gebäuden, Gräbern und Gegenständen. Archäoakustiker beschäftigen sich jedoch auch mit Sinneswahrnehmungen. Auf der Jahrestagung der American Association for the Advancement of Science (AAAS) hat ein Team berichtet, wie es rätselhafte Klangwelten früher Gesellschaften rekonstruiert.

Archäologie 17.02.2012

So klingen zwei 3000 Jahre alte Muschelhörner von Chavín de Huántar, einer Tempelanlage in Peru:

Das Jahresmeeting der AAAS findet vom 16. bis zum 20.2. in Vancouver statt.

Ob diese allein oder im Duett gespielt wurden, wird sich nie eruieren lassen. Doch eines hat eine interdisziplinäre Forschergruppe der kalifornischen Stanford University herausgefunden: Akustische Effekte dürften bei der Errichtung der Anlage eine Rolle gespielt haben: Innenräume der Tempel, sogenannte Galerien, leiten Töne auf ganz bestimmte Weise nach außen.

Ö1 Sendungshinweis:

Über das Projekt berichtet auch Wissen Aktuell am 17.2. um 13:55.

"Wenn man das Muschelhorn in der Galerie spielt, merkt man, dass Töne selektiv gefiltert werden. Das heißt: Die Frequenzen des Muschelhorns werden weitergeleitet, andere jedoch nicht. Der Klang des Muschelhorns gelangt mit nur minimaler Abdämpfung von Drinnen nach Draußen. Doch bei anderen Tönen ist das nicht der Fall", erklärt Miriam Kolar:

Architektonische Methode?

Frühzeitliches peruanisches Muschelhorn

Museo Nacional Chavín; Jyri Huopaniemi

Eines der 3000 Jahre alten Muschelhörner.

Die Wissenschaftler wollen nun mit einem Computermodell einen systematischen, akustischen Lageplan der Anlage erstellen. Die Forscher berücksichtigen dabei auch die Oberflächenbeschaffenheit der Wände. "Die Innenwände sind möglicherweise mit Lehm verputzt gewesen. Wenn das der Fall war, könnte die Akustik anders gewesen sein. Wir haben daher eine Wand aufgestellt, die wir mit verschiedenen Materialien verputzen. Und dann messen wir die Akustik und vergleichen sie mit blankem Stein", so Kolar.

Mithilfe des Computermodells hoffen die Forscher zu klären: Sind die akustischen Effekte von Tempelanlagen früher Gesellschaften Zufall? Oder steckt architektonische Methode dahinter?

Madeleine Amberger, Ö1 Wissenschaft

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