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Ein Joint

Warum Kiffen vergesslich macht

Cannabis-Konsum kann das Erinnerungsvermögen schwächen, Forscher haben nun den Grund dafür entdeckt: Der Wirkstoff THC stört die Arbeit bislang übersehener Hirnzellen.

Hirnstudie 02.03.2012

Die Neuronen mögen die bekanntesten Hirnzellen sein, zahlenmäßig sind sie allerdings klar in der Minderheit. Von den sogenannten Gliazellen gibt es deutlich mehr, bislang wurden diese Zellen als passive Energielieferanten im Hirngewebe angesehen. Doch in letzter Zeit mehren sich Studien, die die vermeintlichen Zuarbeiter ins Rampenlicht rücken. Jüngstes Beispiel ist eine Studie von Xia Zhang von der University of Ottawa. Der Neurowissenschaftler hat bei Versuchen an Ratten festgestellt, dass sternförmige Gliazellen, "Astrozyten" genannt, empfindlich auf den Cannabis-Wirkstoff THC reagieren.

Dieser Effekt schwächt laut Studie die synaptischen Verbindungen im Hippocampus, die zentrale Schaltstelle des Gedächtnisses. Mäuse, denen der THC-empfindliche Rezeptor aus den Astrozyten entfernt worden war, waren hingegen immun: THC veränderte bei ihnen den Hippocampus nicht. "Astrozyten kontrollieren die Neuronen und das Gedächtnis ", resümiert Zhang. "Der Nebendarsteller entwickelt sich immer mehr zum Hauptdarsteller."

Co-Autor Giovanni Marsicano von der Universität Bordeaux kommentiert gegenüber der Zeitschrift "Nature": "Natürlich ist es immer schwierig von Versuchen mit Nagetieren auf den Menschen zu schließen. Da Marihuana bei beiden das Arbeitsgedächtnis beeinträchtigt, kann man davon ausgehen, dass die verantwortlichen Mechanismen zumindest ähnlich sind." Laut einer Untersuchung aus dem Jahr 2010 könnte die Geistesschwächung infolge Marihuana-Konsums durchaus sortenabhängig sein. Der Wirkstoff Cannabidiol agiert offenbar als Gegenspieler des THC. Ist der Cannabidiol-Gehalt der Droge hoch, scheint das Gedächtnis der Konsumenten intakt zu bleiben.

science.ORF.at

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