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Ein Lawinen-Warnschild mit Tourengeher im Hintergrund

Kleine Hindernisse besser als massive Barrikaden

Spickt man einen Hang mit zahlreichen kleinen Metallkeilen, kann man damit Lawinen besser verhindern bzw. bremsen als mit massiven Barrikaden. Das zeigen mathematische Modellen, die das Aufeinandertreffen von Lawinen und unterschiedlichen Hindernissen simulierten.

Lawinenschutz 06.03.2012

Das Projekt:

"Numerisches Modell zum innovativen Lawinenschutz" von Wei Wu und Kollegen wurde kürzlich abgeschlossen und vom Wissenschaftsfond FWF gefördert.

Von einem deutschen Tüftler erfunden und einer kleinen österreichischen Firma realisiert, haben Forscher der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien die Effizienz von ein- bis eineinhalb Meter großen Keilen aus Leichtmetall berechnet, mit denen steile Hänge gespickt werden sollen.

Sie sind so leicht, dass man sie auf dem Rücken hochtransportieren kann, während man das Material für klassische Lawinenverbauten meist per Helikopter in das Gelände bringen muss, so der Leiter des Projekts, Wei Wu, vom Institut für Geotechnik der Boku. Die Keile seien außerdem leichter zu montieren und massiven Verbauten in einer Kosten-Nutzen-Rechnung überlegen.

Zwei Rechenmodelle

Im Hang verankert, können sie den Schnee am Abrutschen hindern, erklärte Wu. "Sollte es doch zu einer Lawine kommen, wird sie durch die Matrix der Keile durchpflückt. Außerdem ist ein solcher Keil nach vorne geneigt und wird von einer Lawine nach unten gedrückt. Auf diese Weise kann sehr viel Energie absorbiert werden, wie unsere Berechnungen zeigen."

Die Forscher verwendeten zwei unterschiedliche Modelle. Bei der sogenannten Kontinuum-Modellierung wird die Lawine wie eine Flüssigkeit oder ein Gas aufgefasst, so Wu. Bei der diskreten Modellierung hingegen besteht eine Lawine aus bis zu 50.000 Bällen.

"Damit kann man sehr gut simulieren, wie der Aufprall aussieht und wie die Energie absorbiert wird." Diese Methode sei sehr rechenaufwendig und erst mit der heutigen Computerleistung machbar. Selbst ein moderner Rechner könne mit einer Simulation eine Woche lang beschäftigt sein.

Auch Rutschungen und Muren simuliert

Die Schneekeile wurden von der Firma Snowgripper aus Saalfelden (Salzburg) realisiert, wo er auch schon mit solchen Keilen versehene Hänge besichtigt habe, so Wu. Neben Österreich würden sie auch in Kanada vertrieben.

Aktuell koordiniert Wu ein 4,3 Millionen schweres EU-Projekt, in dem ein ähnliches Thema behandelt wird: Die Modellierung von Rutschungen und Muren. "Muren unterscheiden sich von außen gesehen sehr von Schneelawinen, nicht aber mathematisch."

Das Wissen aus dem FWF-Projekt sei nützlich für das viel größere EU-Vorhaben, das im März mit einem Treffen in Wien beginnt.

science.ORF.at/APA

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